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Frugalismus

Frugalisten – Was ist Frugalismus und wie lebt ein Frugalist?

Durch diverse Beiträge in den Medien gelangte das Schlagwort „Frugalismus“ und „Frugalisten“, die Angehörigen der Bewegung, in die Öffentlichkeit (Titelstory Wirtschaftswoche etc.). In den Kommentaren wurde emotional und kontrovers diskutiert. Mehrheitlich jedoch sehr kritisch, begründet auf einer falschen Annahme, dass Sparen immer mit einer Einschränkung an Lebensqualität einhergeht.

Daher war es mir ein Anliegen, beim Dreh mit dem Galileo-Team von Pro7 sowie im Galileo Podcast meine eigene Definition darzustellen. Meine Lebensqualität hat sich durch das Sparen nämlich nicht reduziert, sondern erhöht.

Warum Sparen keine Einschränkung bedeutet und wie du hingegen einen Nutzen für dein Leben ziehen kannst, erläutere ich im Folgenden.

Meine eigenen Methoden, Excelvorlage sowie Grundlagen, wie ich investiere und du es auch erlernen kannst, habe ich in meinem eBook-Komplettpaket niedergeschrieben und erläutert.

Frugalisten & Frugalismus – Begriffsherkunft

Die Herkunft des Begriffes liegt im Englischen Wort „frugal“ begründet und meint „schlicht“, „bescheiden“, „sparsam“. Wie Frugalisten dies nun jedoch für sich auslegen, kann sehr unterschiedlich sein.

Die Kernbotschaft der bisher erschienenen Artikel ist meist: „Frugalisten sparen mit allen Mitteln, investieren ihr Gespartes und leben von den Erträgen um nicht mehr arbeiten zu müssen.“

Focus Online betitelte seine Story mit „Frugalisten sparen mit eisernen Methoden“. Weiter heißt es in der Beschreibung eines Frugalisten:

„Für sein Ziel hat [er] mit dem Rauchen aufgehört, ist weder verreist, noch mit Freunden ausgegangen. In seiner Wohnung brannte nur eine Glühbirne und Besuch musste darauf achten, die Toilettenspülung möglichst kurz zu drücken. Der 47-Jährige hat es geschafft, finanziell frei zu werden – seit drei Jahren müsste er nicht mehr arbeiten.“

Wie alles im Leben, kann man auch das Sparen übertreiben. Wenn Sparsamkeit übertrieben wird, nennt man dies Geiz. Wer sich jedoch von den reißerischen Beispielen und Überschriften abschrecken lässt, dem entgeht eine Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und  die eigene Lebensfreude sogar zu steigern. Da ich einige Frugalisten persönlich kenne und weiß, dass sie diese Darstellung nicht vertreten würden, eine Gegendarstellung.

Das Sparen bei Frugalisten hat nichts mit Verlust an Lebensqualität zu tun – im Gegenteil

Das Wort „sparen“ löst bei vielen automatisch eine negative Emotion aus. Sparen wird oft assoziiert mit „Einschränkung“, „ich muss verzichten“. Dass diese Art zu denken eine schlechte Strategie ist, wenn man sein Vermögen aufbauen möchte, ist offensichtlich. Wer sparen gleichsetzt mit einer Verringerung von Lebensfreude, wird kein Interesse haben, sich hierfür einzusetzen. Der Grund liegt in der Kurzfrist- und Langfristbelohnung. Ein langfristiges Vermögen in Aussicht zu haben, das einem in vielen Jahren reichlich Dividenden pro Monat beschert, ist für uns Menschen nicht so attraktiv, dass es der kurzfristigen negativen Emotion der Entbehrung, die ich heute habe, Stand halten kann.

Frugalismus und Sparen kann jedoch auch rein positiv interpretiert werden. Der Grund ist folgender: Wenn man sich zu Beginn seine Prioritäten im Leben klar festlegt hat, wird ein Frugalist nicht Sparen als Selbstzweck im Leben festsetzen. Für mich steht beispielsweise die Maximierung meiner Lebensfreude an oberster Stelle. Ich möchte ein intensives, gutes Leben führen – und das bereits heute.

„Wenn ich morgen durch einen Autounfall ums Leben komme, möchte ich sagen können, dass ich den heutigen Tag genauso verbracht hätte, wie ich ihn verbracht habe.“

Ich möchte mir dann nicht sagen, hätte ich doch mal mehr gelebt und mehr Geld ausgegeben. Ich gebe daher mein Geld so aus, dass ich bereits heute ein gutes, intensives Leben führe, ohne dass es mir an etwas mangelt oder ich denke, dass ich mich einschränke. Wie dieser Lebensstil aussieht, wie viel er monatlich kostet, ist für jeden von uns individuell. Ab wann man eine Person dann als Frugalist bezeichnet, sei jedem selbst überlassen.

Was ich jedoch gemerkt habe ist, dass ich über die Jahre viel bewusster in meinen Ausgaben geworden bin. Ich war nicht mehr zufrieden damit, dass ich zu stark von Impulskäufen geleitet bin oder von ungünstigen Gewohnheiten. Wenn ich  morgens halb verschlafen mal wieder keine Zeit hatte, mir ein gesundes Frühstück zuzubereiten und stattdessen im Halbschlaf den Coffee-To-Go beim Becker inklusive Butterbrezel eingekauft habe, wollte ich etwas ändern. Hier habe ich jeden Tag viel Geld „unbewusst“ ausgegeben und nicht sehr viel Lebensfreude dafür zurückbekommen.

Frugalisten profitieren doppelt

Stattdessen wollte ich trainieren, bewusster Geld auszugeben und meine Gewohnheiten zu hinterfragen. Würde es mir nicht viel besser gehen, wenn ich mir morgens die Zeit nehme, in Ruhe zu frühstücken, ein gesundes leckeres Müsli mit frischen Früchten zuzubereiten und voller Energie in den Tag zu starten? Ich habe gemerkt, dass das Hinterfragen der Gewohnheiten zwei positive Effekte hat. Zum einen tue ich etwas für mich (Gesundheit, Wohlbefinden) und als Nebeneffekt spare ich auch noch Geld.

Anstatt nach Feierabend aus Mangel an Energie und Selbstdisziplin gesund zu kochen, wurde es oft der Döner oder die Pizza von der Ecke. Neben den höheren Kosten im Vergleich zum selbst zubereiteten Essen ist es vor allem der Effekt auf die Gesundheit. Im Oktober werde ich meinen ersten Marathon laufen. Mein Körper braucht gesunde Nahrung um fit zu werden. Das abendliche Fastfood aus Gewohnheit und Faulheit immer mehr auszutauschen durch selbst zubereitetes, gesünderes Essen lässt mich doppelt profitieren.

Frugalisten setzen Euros effizient ein

Generell habe ich mich gefragt, welche Aktivitäten und Momente im Leben viel Lebensfreude gebracht haben und bringen. Wenn ich überlege, was tolle Erinnerungen in meinem Leben sind, waren es meistens Momente, die nicht viel kosten. Ein Wandertag mit dem Kumpel im Allgäu und anschließendem Grillen bringt mir sehr viel Lebensfreude. Körperliche Aktivität und Essen selbst zubereiten. Das bleibt mir viel mehr in Erinnerung im Vergleich zu einem Treffen in der schicken Cocktailbar, in der ich einen mittelmäßigen Mojito für 9,80€ trinke. Das ist ab und an auch nett und hat seinen Reiz, aber in den meisten Fällen erfahre ich viel Lebensfreude bei Tätigkeiten mit netten Menschen, wenn man gemeinsam körperlich aktiv ist und als Nebeneffekt kosten diese Momente meist nicht viel.

Frugalismus bietet Chancen

Wenn man seine Lebensfreude maximiert und keine Bedenken haben muss, dass man spart auf Kosten von Lebensqualität, kann man im Thema Frugalismus Inspiration für die Verbesserung des eigenen Lebens finden. Frugalisten setzen ihre Euros effizient ein. Allein das Hinterfragen von Ausgaben hat bei mir selbst dazu geführt, dass ich ohne Probleme eine  Sparquote von 61% habe. Dies wohlgemerkt mit einer heute höheren Lebensqualität als noch vor 2 Jahren und einer geringeren Sparquote.

Frugalisten müssen nicht mit 40 gelangweilt im Ruhestand am Strand liegen

Eine weiterer Mythos über Frugalisten ist die Kritik, dass sie nach Erreichung ihres Vermögens aufhören zu arbeiten und gelangweilt am Strand liegen. Ohne Aktivität und eine sinnvolle Beschäftigung ist man nicht glücklich. Geld auf der hohen Kante zu haben ermöglicht jedoch Vieles. Du hast eine weitere Option, die man ohne Erspartes nicht hätte.

Deinen Job könntest du in Teilzeit ausüben und mehr Zeit für Familie oder Hobbies aufwenden. Auch könntest du als Selbstständiger nur noch die Aufträge annehmen, die dir besonders viel Freude bereiten. Man muss dies alles nicht tun, man bekommt nur weitere Optionen.

Abgesehen davon sollte man nicht warten, bis man finanziell frei ist, um einen ungeliebten Job zu verlassen. Jeder ist bereits heute dafür verantwortlich, sein Leben so zu gestalten, dass es Freude bereitet. 

Persönliches Fazit zu Frugalismus und Frugalisten

Ich bin der Meinung, dass es sich immer lohnt, sich auf neue Dinge einzulassen. Wer sich offen mit dem Thema Frugalismus auseinandersetzt, hat die Chance, wertvolle Tipps für sein eigenes Leben umzusetzen. Wie du dir deine Prioritäten legst, ist dir überlassen. Wichtig ist jedoch, dass du dir Prioritäten setzt und dein Leben kontinuierlich weiterentwickelst und aktiv nach deinen Wünschen gestaltest.

Wenn du ebenfalls starten möchtest, einen Überblick über deine Finanzen zu erlangen sowie die Grundlagen von vernünftigem Investieren zu erlernen, gibt es aktuell mein eBook „Deine Finanzen in 7 Tagen“ + Finanzexcel als Vorlage zum Befüllen.

Was ist deine Meinung zum Thema? Ich freue mich über deinen Kommentar!

Zum Weiterlesen: Warum Geiz nicht geil ist – Sparsamkeit hingegen schon!Wer nicht investiert, hat schon verloren!FinanzmarathonWie eröffne ich ein Aktiendepot?

 

12 Kommentare

  1. Wieder mal ein sehr gelungener Beitrag, lieber Geldschnurrbart.
    Natürlich schade, dass die Medien den Begriff Frugalismus so zerreisen und ihn an so übertriebenen Beispielen erläutern.
    Ich sehe das ähnlich wie du. Sich zu trainieren keine sinnlosen Impulskäufe zu tätigen von Dingen, die man langfristig gesehen garnicht benutzt, ist auf jeden Fall eine aufregende und tolle Sache, mit der ich mich auch schon eine Weile beschäftige. Allerdings muss man bei seiner Einstellung zum Sparen aufpassen. Geld sollte meiner Meinung nach immer als Mittel zum Zweck dienen und nicht bloß als Besitz, auf den man ewig aufpasst und niemals ausgibt.

    Ich freue mich schon auf neue Beiträge und wünsche einen schönen Abend!

    1. Hi Kreatiger, danke für dein Feedback!
      Die Einstellung zum Sparen ist wie du sagst, sehr wichtig. Meistens ist „sparen“ negativ und heißt Einschränkung. Wenn man es aber sieht als Möglichkeit ständig bewusster zu leben und effizienter seine Euros einzusetzen, bringt es mehr Lebensqualität. Sparen nur des Sparen Willens um als Dagobert Duck in Talern zu schwimmen ist kein erfüllendes Lebensziel. Ein bewusstes Leben und Geld für sich zu nutzen um seine Lebensqualität von sich und anderen zu steigern ist dagegen sehr angenehm.
      Eine gute Woche dir,
      Gruß Geldschnurrbart

  2. Moin!
    Tolle Auseinandersetzung mit dem Thema, da stimme ich mit Dir in allen Punkten überein. 🙂
    Sparen muss gar nichts schlimmes sein, wenn man sich erst einmal bewusst ist, wofür man sein Geld früher einfach so rausgeblasen hat.
    Ich spare zum Beispiel das Meiste, indem ich meine Fahrkarte gekündigt habe und quasi überall mit dem Fahrrad hinfahre. Zusätzlich spare ich mir dadurch das Fitnessstudio – und im Vergleich zum Weg mit der Bahn zur Arbeit sogar Zeit. Denn die 6-7 Minuten, die ich zu Fuß sonst zur Bahn brauche, reichen schon für knapp die Hälfte der Strecke. Natürlich habe ich Glück, dass ich in einer größeren Stadt wohne und es so einfach möglich ist. Aber auch Coffee to go und andere Speisen unterwegs sind gute Beispiele. Das Geld verschwindet aus dem Portemonnaie und am Ende weiß man gar nicht wirklich wofür. Da hilft echt ein Haushaltsbuch. 🙂
    Viele Grüße,
    Ivy

    1. Hey Ivy,

      danke für deinen Kommentar! Erstmal genialer Instagramname Bierfluencer 🙂 und du kommst auch aus Stuttgart, sehr nice 🙂
      Ja, wie du sagst, wenn man „Sparen“ eher als Ansporn sieht, führt es dazu, dass man auch mal aus der Komfortzone geht und in die Stadt 20min. spaziert, statt bequem wie immer die Bahn zu nehmen. Dass du das nun konsequent machst, sehr cool. Das ist besser für die Gesundheit und gleichzeitig kannst du dein Vermögen schneller aufbauen oder Bier trinken 🙂

      Gute Woche dir,
      Gruß Geldschnurrbart

      1. Hey Mr. Schnurrbart,

        das muss ein Fehler sein, ich komme aus Hamburg 🙂

        Was ich auch sehr motivierend finde, ist der Renten-Rechner auf Ollis Website (https://frugalisten.de/rechner/).
        Wenn ich zum Beispiel sehe, das 3000 Euro Unterschied in den jährlichen Ausgaben (was ja nur 250€ im Monat entspricht) 4 Jahre früher oder später Rente ausmacht… dann fällt es mir nicht schwer, die Budgets zu kürzen.
        Zusätzlich: Wenn ich nen neuen Job mit 3000€ netto jährlich mehr finde, schiebt das die Rente auch nach vorne… wenn das keine Motivation für die Gehaltsverhandlung ist. 🙂

        Dir auch eine schöne Woche!
        Ivy

        1. Hi Ivy,

          ok dann mein Fehler und Grüße nach Hamburg 🙂

          Ja absolut, sich allein bewusst zu machen, was für einen Effekt die Ausgaben, die wir heute tätigen auf die Zukunft haben, ist spannend. Jeder hat unterschiedliche Ziele und Dinge, die einen glücklich machen. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass jeder davon profitiert, einen Überblick über seinen Ein- und Ausgaben (ohne viel Aufwand) hat und kein „getriebener Konsumkäufer“ ist, sondern bewusst Ausagben tätigt, die ihn glücklich machen und er für sinnvoll hält. Daher arbeite ich auch gerade am eBook + Finanzexcel, um jeden eine einfache Schritt-für-Schritt-Anleitung hierfür an die Hand zu geben.

          Schönen Sonntag dir,
          lg Geldschnurrbart

  3. Es ist doch klar, dass alles, was den Konsum verringert, bei den Industrien oder in den Handelsbranchen schlecht ankommt. Denn die leben eher vom Kehrwert – möglichst viel konsumieren, kaufen, Geld ausgeben…

    Ich finde, jeder sollte sich mal Dokumentationen zu der Konsumindustrie ansehen, aber auch der Werbeindustrie. Da macht man sich bewusst, wie abhängig man „erzogen“ wird von diesen Industrien. Und wenn eben die Mehrheit so tickt, dann ist es auch völlig logisch, dass du belächelt wirst als jemand, der eben anders leben möchte!

    Insofern finde ich es schön, dass es Menschen gibt, die darüber reden und auch berichten, dass sie anders leben und es sogar Spaß macht.

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