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Frugalisten – Was ist Frugalismus?

Durch diverse Beiträge in den Medien gelangte das Schlagwort Frugalismus in den letzten Monaten immer mehr in die Öffentlichkeit. Frugalisten sparen oft einen Großteil ihres Einkommens und investieren die Überschüsse. Sie haben durch Kapitalerträge und effizienten Ausgaben oft die Möglichkeit deutlich früher als 67 in Rente zu gehen. Es geht ihnen dabei nicht um den Verzicht, sondern um die Steigerung ihrer Lebensfreude durch finanzielle Freiheit und bewussten Konsum.

Als mich das TV-Team von Galileo (Pro7) zum Dreh besuchte, habe ich versucht, meine eigene Ansicht von Frugalismus darzustellen. Meiner eigenen Erfahrung nach und im Austausch mit anderen Frugalisten, geht es beim Frugalismus um mehr als Geld: Es geht um das bestmögliche und zufriedenste Leben. Meine Lebensqualität hat sich durch bewussteren Umgang mit Geld und Ressourcen nicht reduziert, sondern erhöht. Warum Sparen keine Einschränkung bedeutet und wie du hingegen einen Nutzen für dein Leben ziehen kannst, erläutere ich im Folgenden.

Was bedeutet Frugalismus? Was sind Frugalisten? [Definition]

Der Name „Frugalisten“ leitet sich vom englischen Wort „frugal“ ab. „Frugal“ bedeutet: schlicht, bescheiden, sparsam. Die Bewegung der Frugalisten heißt „Frugalismus“.

Frugalisten haben als Ziel, das bestmögliche Leben für sich und die Welt zu gestalten, indem sie durch bewusste Ausgaben und dem Investieren ihrer Überschüsse immer mehr finanzielle Unabhängigkeit erreichen. Wie Frugalisten dies nun jedoch für sich auslegen, kann sehr unterschiedlich sein.

Herkunft des Frugalismus: Investmentbanker trifft auf Umweltaktivistin

Das Streben nach einem genügsamen Leben ist nichts Neues. Frugalismus als Bewegung und Lebensweise wird jedoch oft mit Erscheinen des Buchs Your Money or Your Life von Vicki Robin und Joe Dominguez im Jahr 1992 in Verbindung gebracht.

Die Umweltaktivistin Vicki, die nach einer Schauspielkarriere auf Reisen durch die USA ging, lernte den ehemaligen Investmentbanker Joe kennen. Dieser war bereits mit 31 in Rente gegangen, da seine Kapitalerträge seine Lebenshaltungskosten deckten. Es begann eine enge Freundschaft und beide verbreiteten Idee, dass Geld nicht nur zum Verkonsumieren da ist, sondern eine Art Lebensenergie darstellt, die wir einsetzen können, um unser Leben selbstbestimmt zu gestalten.

Frugalismus und die FIRE-Bewegung

Weitere Menschen, wie Finanzblogger Peter alias Mister Money Mustache, beschrieben ihre frugalistische Lebensweise und wie sie Jahrzehnte vor dem gesetzlichen Rentenalter nicht mehr auf ihre Arbeit angewiesen waren.

Seither entstand eine Bewegung, die als Financial Independence Retire Early (FIRE) bekannt wurde. Familien mit Kindern, Ingenieure, Informatiker, Lehrer, Mechaniker auf dem Land, in Großstädten berichten von ihren Erfahrungen. Sie alle haben die Option mit Mitte 30, 40 oder 50 auf eine vorzeitige Rente. Ihre Kosten werden durch die Kapitalerträge gedeckt. Wer frugalistisch lebt, muss nicht zwingend früh in Rente wollen: Er bekommt lediglich eine weitere Option.

Frugalismus in den Medien – Viele Vorurteile

Die Kernbotschaft der bisher erschienenen Artikel ist meist: „Frugalisten sparen mit allen Mitteln, investieren ihr Gespartes und leben von den Erträgen um nicht mehr arbeiten zu müssen.“ Focus Online betitelte seine Story mit „Frugalisten sparen mit eisernen Methoden“. Weiter heißt es in der Beschreibung eines Frugalisten:

„Für sein Ziel hat [er] mit dem Rauchen aufgehört, ist weder verreist, noch mit Freunden ausgegangen. In seiner Wohnung brannte nur eine Glühbirne und Besuch musste darauf achten, die Toilettenspülung möglichst kurz zu drücken. Der 47-Jährige hat es geschafft, finanziell frei zu werden – seit drei Jahren müsste er nicht mehr arbeiten.“

Wie alles im Leben, kann man auch das Sparen übertreiben. Wenn Sparsamkeit übertrieben wird, nennt man dies Geiz. Wer sich jedoch von den reißerischen Beispielen und Überschriften abschrecken lässt, dem entgeht eine Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und  die eigene Lebensfreude sogar zu steigern.

Unterschiedliche Ausprägungen von Frugalismus

Was Frugalismus und ein bewusstes Leben für den Einzelnen bedeutet, bestimmt jeder selbst. Wer von Menschen in 10-Quadratmeter-Häusern, sogenannten Tiny Houses liest, oder von Konsumaussteigern, die in einer Waldhütte leben, ist vielleicht erst einmal abgeschreckt.

Was frugal ist, bedeutet für jeden von uns etwas anderes. Mich begeistert am Konzept, dass es Anreize gibt, die eigene Lebensweise zu hinterfragen. Durch den Austausch und die motivierenden Beispiele anderer, bereichere ich mein eigenes Leben. Die Ausprägungsformen von Frugalisten sind unterschiedlich, sie leben genügsam auf verschiedenen Konsumniveaus – so wie sie es für ihr Leben am besten finden.

Frugalismus im Tiny-House oder der Villa

Es gibt Frugalisten, für die ein Leben im Tiny House mit einem Verlust an Lebensqualität verbunden wäre. Jeder hat unterschiedliche Präferenzen und kann für sich entscheiden, was für ihn genügsam und effizient bedeutet. Es gibt den Konsumverweigerer, der im Wald lebt und sich als Frugalist bezeichnet. Genauso gibt es den Frugalisten in der zentralen Großstadtwohnung, der Mitglied im Fitnessstudio ist und es genießt, einmal pro Woche mit seiner Partnerin im Restaurant zu speisen. Wenn wir all das bewusst gestalten und für die eingesetzte Lebensenergie viel Freude erhalten, ist auch dieser Lebensstil frugalistisch.

Der Berater, der sich seit Jahren todunglücklich zu Kunden schleppt und bereut, seine Kinder nicht aufwachsen zu sehen und am Wochenende erschöpft vor dem Fernseher verbringt, nur um die 150.000 Euro Jahresgehalt zu erwirtschaften, um die Villa zu finanzieren, die er kaum ausnutzt, ist es nicht frugalistisch. Sind seine Ausgaben dagegen bewusst, er geht gerne zur Arbeit und genießt jeden Tag die Erfahrungen, die er durch seine Ausgaben erhält, kann auch das Leben auf einem höheren Ausgabenniveau frugalistisch sein, indem er seine Lebensenergie für sein maximales Lebensglück einsetzt.

Die Prioritäten in unserem Leben und wie wir für uns die meiste Lebensfreude erschaffen, können nur wir selbst herausfinden.

Wie leben Frugalisten?

Frugalisten leben ihren Alltag sehr bewusst und effizient. Wie das Leben individuell gestaltet ist, um als Frugalist ein Maximum an Lebensfreude für sich zu schaffen, unterscheidet sich jedoch.

Ich erhielt eines Tages den Anruf eines Redakteurs von Galileo: „Wir würden gerne das Thema Frugalismus erklären, könnten wir vorbeikommen?“ Herausgekommen ist der Beitrag über Frugalisten, bewusstes Leben und Vermögensaufbau, der zwei Monate später am 29.08. bei auf Pro7 ausgestrahlt wurde.

Frugalisten-Galileo-Beitrag
Galileo-Beitrag über Frugalisten: Zu Besuch beim Geldschnurrbart in Stuttgart

Zuerst sei gesagt, dass dies (neben einem Beitrag im SWR über Crawling = Krabbeln 🙂 ) meine erste TV-Erfahrung war. Das Team von Galileo und Redakteur Juri Höhne hat einen sehr professionellen Job gemacht. Der Dreh war unkompliziert und hat sehr viel Spaß gemacht. Es war interessant zu sehen, wie viel Arbeit hinter einem „kurzen“ Beitrag stehen. Allein bei mir war das Team für einen vollen Drehtag von 8 Stunden. Danke dafür!

Beim Inhalt war mir wichtig – und das ist auch gelungen, wie ich finde – dass das negative Bild von einem „finanziell bewussten“ Leben durch ein Positives ersetzt wurde. Bisherige Artikel in den Medien zum Thema waren so verfasst, dass es dem Leser/Zuschauer das Gefühl gab, er solle sich lieber nicht mit seinen Finanzen beschäftigen, da es seine Lebensqualität nur einschränke. (Hierfür auch meine eigene Interpretation zum Thema Frugalismus).

Eine kleine Kritik ist die Tatsache, dass der Beitrag nur einen kleinen Aspekt beleuchtet, nämlich die Konsumausgaben. Dies ist natürlich auch der Beitragslänge geschuldet, wo man nicht alle Aspekte abdecken kann. Dass eine bewusste Lebensweise und das Hinterfragen von Ausgaben auch in den Bereichen Sport (wo und wie mache ich Sport), Urlaub (was für ein Urlaub macht mich glücklich etc.) von Nutzen sein kann, könnte man ebenfalls erwähnen.

Fazit zum Galileo Frugalismus Beitrag

Insgesamt fand ich den Beitrag sehr gelungen und bedanke mich an dieser Stelle noch einmal für den Dreh und die interessante Erfahrung mit Juri Höhne (Redakteur) und Claire Oelkers (Reporterin).  Die Hauptaussage ist rübergekommen: Jeder profitiert davon, einen Überblick über seine Finanzen zu haben und durch eine bewusste Lebensweise seine Überschüsse zu investieren. Sparen bedeutet bei der richtigen Festlegung seiner Prioritäten keinen Verlust an Lebensfreude, sondern eine Steigerung seiner Lebensqualität.

Da mit dem Vermögensaufbau lieber heute als morgen gestartet werden sollte, freut es mich, wenn durch den Beitrag einige Menschen den nötigen „Ruck“ verspürt haben und sich dem Thema Finanzen und dem Hinterfragen ihrer Ausgaben widmen.

Frugalisten Podcast: Mein Interview mit Galileo Reporter Matthias Fiedler

Mit Galileo Reporter Matthias Fiedler habe ich mich im neuesten Podcast über das Thema Sparen, Vermögensaufbau und Lebensqualität im Frugalismus unterhalten.

In der Folge erkläre ich anhand meines eigenen Beispiels, wieso meine Lebensfreude bei geringeren Kosten erhöht wurde und warum Sparen für mich keine Einschränkung ist. Wieso ich die Eishockey-Trikot-Sammlung von Matthias nicht unbedingt kritisch sehe und wie wir alle von einem Durchblick über Finanzen profitieren können, hört ihr in der Podcastfolge.

Wie funktioniert Frugalismus?

Die Idee hinter Frugalismus ist die Schaffung des bestmöglichen Lebens voller Gesundheit, Glück und Zufriedenheit. Geld spielt oft eine wichtige Rolle, da es Sorgen bereitet, wenn es zu knapp ist und Möglichkeiten bietet, wenn es ausreichend vorhanden ist. Für mich und im Gespräch mit anderen Frugalisten habe ich die 6 Bausteine identifiziert, die Frugalismus aus meiner Sicht beinhaltet:

1. Finanzielle Freiheit

Finanziellen Freiheit bedeutet, dass wir uns um Geld keine Sorgen mehr machen müssen. Wir haben ausreichend, um selbstbestimmt und frei zu leben. Es geht um deine Einstellung zu Geld und wie der geschickte Umgang mit Geld dir hierbei dienlich sein kann. Wie sollte dein Leben gestaltet sein, damit du dich ausreichend um deine sozialen Beziehungen kümmern kannst, die laut der Harvard-Studie im Video das wichtigste Elemente eines glücklichen Lebens sind? Wie viel Vermögen benötigst du, damit du nicht mehr für Geld arbeiten musst?

2. Bewusstsein

Nachdem die Vision definiert ist, geht es um das Bewusstsein. Oft leben wir blind in unserem Alltag und sind getrieben von Gewohnheiten. Weißt du eigentlich, welche Ausgaben dir die meiste Lebensfreude bringen? Es geht um den wichtigen Unterschied zwischen Kurz- und Langfristbelohnung. Wer mehr Bewusstsein erlangt über die eigenen Finanzen und das eigene Leben selbst, wird freier von äußeren Einflüssen.

Du lernst, deine finanziellen Entscheidungen unabhängig von dem zu treffen, was Verkäufer als gut für ihr Geschäft ansehen. Anstatt der Manipulation zu erliegen, Dinge zu kaufen, die dich nicht glücklich machen, entscheidest du wieder selbst ganz bewusst, wofür du deine Lebensenergie einsetzt.

3. Komfortzone

Es geht um die Frage, wie du deinem Leben durch das Erlernen neuer Fähigkeiten und das Überwinden des inneren Schweinehundes zu mehr Qualität verhilfst – warum oftmals der Einsatz deiner Muskelkraft statt des bequemen maschinellen Ersatzes nicht nur für die Umwelt und den Geldbeutel besser ist, sondern auch für dich selbst. Nicht nur um Geld zu sparen, habe ich mein Handy selbst repariert, gelernt, wie man handwerkliche Tätigkeiten ausführt: Vor allem gewinne ich mehr Unabhängigkeit, Freude und neue Fähigkeiten, wenn ich außerhalb meiner Komfortzone bin. Mein erster Marathon war ein weiteres Beispiel.

4. Überblick

Ein bewusster und effizienter Umgang mit den Finanzen funktioniert nur mit einem guten Überblick. Durch die Finanzexcel und den Überblick über seine Finanzen, konnte Pleite-Student Michael innerhalb eines Jahres 6.000 Euro ansparen. Es geht um Möglichkeiten, wie du ohne großen Zeitaufwand dauerhaft den Überblick über deine Finanzen behältst.

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5. Effizienz

Nach dem Überblick über Ein- und Ausgaben geht es auch um Effizienz. Wie gut setzt du dein Geld ein? Kennst du die wahren Kosten deiner täglichen Entscheidungen? Kannst du das Ergebnis mit einem geringeren Einsatz von Geld und Lebensenergie erreichen? Indem wir unsere größten Kostentreiber und Finanzfehler identifizieren, können wir unser Geld besser einsetzen. Neben konkreten Spartipps, die Geldverbrauch senken und Lebensqualität erhöhen, hast du nun die Möglichkeit, den Grundstein für einen bewussteren Umgang mit unseren Finanzen zu legen.

6. Investieren

Nachdem du in deinem bewussten, aktiven und selbstbestimmten Leben mit geringem Geldeinsatz viel Lebensfreude erhältst, ist es wichtig, was du mit all dem überschüssigen Geld machst, um dein Leben weiter zu bereichern. Die Grundlagen des Investierens sind auch ohne Vorwissen leicht verständlich und einfach umzusetzen. Es geht darum, warum dein Geld auf dem Sparbuch statt Sicherheit jährliche Verluste bringt und wie du es profitabler einsetzen kannst. Die kann durch die Eröffnung eines kostenlosen Aktiendepots und dem besparen von ETFs geschehen. Andere setzen auf die Ausschüttungen von Dividenden, wie Leser Christian, der bereits einen Monat im Jahr allein von Dividenden lebt. Einen Teil des Geldes mit einer Rendite von 12,2% p.a. bei Mintos angelegt, gefällt mir viel besser als 0,x% auf dem Sparbuch.

Für Frugalisten hat Sparen nichts mit Einschränkung zu tun

Das Wort „sparen“ löst bei vielen automatisch eine negative Emotion aus. Sparen wird oft assoziiert mit „Einschränkung“, „ich muss verzichten“. Dass diese Art zu denken eine schlechte Strategie ist, wenn man sein Vermögen aufbauen möchte, ist offensichtlich. Wer sparen gleichsetzt mit einer Verringerung von Lebensfreude, wird kein Interesse haben, sich hierfür einzusetzen.

Der Grund liegt in der Kurzfrist- und Langfristbelohnung. Ein langfristiges Vermögen in Aussicht zu haben, das einem in vielen Jahren reichlich Dividenden pro Monat beschert oder Zinsen aus P2P-Krediten wie Mintos, ist für uns Menschen nicht so attraktiv, dass es der kurzfristigen negativen Emotion der Entbehrung, die ich heute habe, Stand halten kann.

Frugalismus und Sparen kann jedoch auch rein positiv interpretiert werden. Der Grund ist folgender: Wenn man sich zu Beginn seine Prioritäten im Leben klar festlegt hat, wird ein Frugalist nicht Sparen als Selbstzweck im Leben festsetzen. Für mich steht beispielsweise die Maximierung meiner Lebensfreude an oberster Stelle. Ich möchte ein intensives, gutes Leben führen – und das bereits heute.

„Wenn ich morgen durch einen Autounfall ums Leben komme, möchte ich sagen können, dass ich den heutigen Tag genauso verbracht hätte, wie ich ihn verbracht habe.“

Ich möchte mir dann nicht sagen, hätte ich doch mal mehr gelebt und mehr Geld ausgegeben. Ich gebe daher mein Geld so aus, dass ich bereits heute ein gutes, intensives Leben führe, ohne dass es mir an etwas mangelt oder ich denke, dass ich mich einschränke. Wie dieser Lebensstil aussieht, wie viel er monatlich kostet, ist für jeden von uns individuell. Ab wann man eine Person dann als Frugalist bezeichnet, sei jedem selbst überlassen.

Was ich jedoch gemerkt habe ist, dass ich über die Jahre viel bewusster in meinen Ausgaben geworden bin. Ich war nicht mehr zufrieden damit, dass ich zu stark von Impulskäufen geleitet bin oder von ungünstigen Gewohnheiten. Wenn ich  morgens halb verschlafen mal wieder keine Zeit hatte, mir ein gesundes Frühstück zuzubereiten und stattdessen im Halbschlaf den Coffee-To-Go beim Becker inklusive Butterbrezel eingekauft habe, wollte ich etwas ändern. Hier habe ich jeden Tag viel Geld „unbewusst“ ausgegeben und nicht sehr viel Lebensfreude dafür zurückbekommen.

Frugalisten profitieren doppelt

Stattdessen wollte ich trainieren, bewusster Geld auszugeben und meine Gewohnheiten zu hinterfragen. Würde es mir nicht viel besser gehen, wenn ich mir morgens die Zeit nehme, in Ruhe zu frühstücken, ein gesundes leckeres Müsli mit frischen Früchten zuzubereiten und voller Energie in den Tag zu starten? Ich habe gemerkt, dass das Hinterfragen der Gewohnheiten zwei positive Effekte hat. Zum einen tue ich etwas für mich (Gesundheit, Wohlbefinden) und als Nebeneffekt spare ich auch noch Geld.

Anstatt nach Feierabend aus Mangel an Energie und Selbstdisziplin gesund zu kochen, wurde es oft der Döner oder die Pizza von der Ecke. Neben den höheren Kosten im Vergleich zum selbst zubereiteten Essen ist es vor allem der Effekt auf die Gesundheit. Im Oktober werde ich meinen ersten Marathon laufen. Mein Körper braucht gesunde Nahrung um fit zu werden. Das abendliche Fastfood aus Gewohnheit und Faulheit immer mehr auszutauschen durch selbst zubereitetes, gesünderes Essen lässt mich doppelt profitieren.

Frugalisten setzen Euros effizient ein

Generell habe ich mich gefragt, welche Aktivitäten und Momente im Leben viel Lebensfreude gebracht haben und bringen. Wenn ich überlege, was tolle Erinnerungen in meinem Leben sind, waren es meistens Momente, die nicht viel kosten. Ein Wandertag mit dem Kumpel im Allgäu und anschließendem Grillen bringt mir sehr viel Lebensfreude. Körperliche Aktivität und Essen selbst zubereiten. Bei den meisten Dingen, mit denen sich Geld sparen lässt, erhöhen wir gleichzeitig unseren Gesundheitszustand und Freude.

Das bleibt mir viel mehr in Erinnerung im Vergleich zu einem Treffen in der schicken Cocktailbar, in der ich einen mittelmäßigen Mojito für 9,80€ trinke. Das ist ab und an auch nett und hat seinen Reiz, aber in den meisten Fällen erfahre ich viel Lebensfreude bei Tätigkeiten mit netten Menschen, wenn man gemeinsam körperlich aktiv ist und als Nebeneffekt kosten diese Momente meist nicht viel.

Frugalismus bietet Chancen

Wenn man seine Lebensfreude maximiert und keine Bedenken haben muss, dass man spart auf Kosten von Lebensqualität, kann man im Thema Frugalismus Inspiration für die Verbesserung des eigenen Lebens finden. Frugalisten setzen ihre Euros effizient ein. Allein das Hinterfragen von Ausgaben hat bei mir selbst dazu geführt, dass ich ohne Probleme eine  Sparquote von 61% habe. Dies wohlgemerkt mit einer heute höheren Lebensqualität als noch vor 2 Jahren und einer geringeren Sparquote.

Rente mit 40 – Frugalisten liegen nicht gelangweilt im Ruhestand

Wenn wir von Menschen Lesen, die mit 40 in Rente gegangen sind, treffen wir auf einen weiteren Mythos: die Kritik, dass sie nach Erreichung ihres Vermögens aufhören zu arbeiten und gelangweilt am Strand liegen. Ohne Aktivität und eine sinnvolle Beschäftigung ist man nicht glücklich. Geld auf der hohen Kante zu haben ermöglicht jedoch Vieles. Du hast eine weitere Option, die man ohne Erspartes nicht hätte.

Deinen Job könntest du in Teilzeit ausüben und mehr Zeit für Familie oder Hobbies aufwenden. Auch könntest du als Selbstständiger nur noch die Aufträge annehmen, die dir besonders viel Freude bereiten. Man muss dies alles nicht tun, man bekommt nur weitere Optionen.

Abgesehen davon sollte man nicht warten, bis man finanziell frei ist, um einen ungeliebten Job zu verlassen. Jeder ist bereits heute dafür verantwortlich, sein Leben so zu gestalten, dass es Freude bereitet. 

Persönliches Fazit zu Frugalismus und Frugalisten

Ich bin der Meinung, dass es sich immer lohnt, sich auf neue Dinge einzulassen. Wer sich offen mit dem Thema Frugalismus auseinandersetzt, hat die Chance, wertvolle Tipps für sein eigenes Leben umzusetzen. Wie du dir deine Prioritäten legst, ist dir überlassen. Wichtig ist jedoch, dass du dir Prioritäten setzt und dein Leben kontinuierlich weiterentwickelst und aktiv nach deinen Wünschen gestaltest.

Wenn du dich mit anderen über Erfahrungen austauschen und für gegenseitige Motivation sorgen möchtest, schau gerne in der wachsenden Facebook Community Frugalismus vorbei.

Was ist deine Meinung zum Thema? Ich freue mich über deinen Kommentar!

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10 Kommentare

  1. Wieder mal ein sehr gelungener Beitrag, lieber Geldschnurrbart.
    Natürlich schade, dass die Medien den Begriff Frugalismus so zerreisen und ihn an so übertriebenen Beispielen erläutern.
    Ich sehe das ähnlich wie du. Sich zu trainieren keine sinnlosen Impulskäufe zu tätigen von Dingen, die man langfristig gesehen garnicht benutzt, ist auf jeden Fall eine aufregende und tolle Sache, mit der ich mich auch schon eine Weile beschäftige. Allerdings muss man bei seiner Einstellung zum Sparen aufpassen. Geld sollte meiner Meinung nach immer als Mittel zum Zweck dienen und nicht bloß als Besitz, auf den man ewig aufpasst und niemals ausgibt.

    Ich freue mich schon auf neue Beiträge und wünsche einen schönen Abend!

    1. Hi Kreatiger, danke für dein Feedback!
      Die Einstellung zum Sparen ist wie du sagst, sehr wichtig. Meistens ist „sparen“ negativ und heißt Einschränkung. Wenn man es aber sieht als Möglichkeit ständig bewusster zu leben und effizienter seine Euros einzusetzen, bringt es mehr Lebensqualität. Sparen nur des Sparen Willens um als Dagobert Duck in Talern zu schwimmen ist kein erfüllendes Lebensziel. Ein bewusstes Leben und Geld für sich zu nutzen um seine Lebensqualität von sich und anderen zu steigern ist dagegen sehr angenehm.
      Eine gute Woche dir,
      Gruß Geldschnurrbart

  2. Moin!
    Tolle Auseinandersetzung mit dem Thema, da stimme ich mit Dir in allen Punkten überein. 🙂
    Sparen muss gar nichts schlimmes sein, wenn man sich erst einmal bewusst ist, wofür man sein Geld früher einfach so rausgeblasen hat.
    Ich spare zum Beispiel das Meiste, indem ich meine Fahrkarte gekündigt habe und quasi überall mit dem Fahrrad hinfahre. Zusätzlich spare ich mir dadurch das Fitnessstudio – und im Vergleich zum Weg mit der Bahn zur Arbeit sogar Zeit. Denn die 6-7 Minuten, die ich zu Fuß sonst zur Bahn brauche, reichen schon für knapp die Hälfte der Strecke. Natürlich habe ich Glück, dass ich in einer größeren Stadt wohne und es so einfach möglich ist. Aber auch Coffee to go und andere Speisen unterwegs sind gute Beispiele. Das Geld verschwindet aus dem Portemonnaie und am Ende weiß man gar nicht wirklich wofür. Da hilft echt ein Haushaltsbuch. 🙂
    Viele Grüße,
    Ivy

    1. Hey Ivy,

      danke für deinen Kommentar! Erstmal genialer Instagramname Bierfluencer 🙂 und du kommst auch aus Stuttgart, sehr nice 🙂
      Ja, wie du sagst, wenn man „Sparen“ eher als Ansporn sieht, führt es dazu, dass man auch mal aus der Komfortzone geht und in die Stadt 20min. spaziert, statt bequem wie immer die Bahn zu nehmen. Dass du das nun konsequent machst, sehr cool. Das ist besser für die Gesundheit und gleichzeitig kannst du dein Vermögen schneller aufbauen oder Bier trinken 🙂

      Gute Woche dir,
      Gruß Geldschnurrbart

      1. Hey Mr. Schnurrbart,

        das muss ein Fehler sein, ich komme aus Hamburg 🙂

        Was ich auch sehr motivierend finde, ist der Renten-Rechner auf Ollis Website (https://frugalisten.de/rechner/).
        Wenn ich zum Beispiel sehe, das 3000 Euro Unterschied in den jährlichen Ausgaben (was ja nur 250€ im Monat entspricht) 4 Jahre früher oder später Rente ausmacht… dann fällt es mir nicht schwer, die Budgets zu kürzen.
        Zusätzlich: Wenn ich nen neuen Job mit 3000€ netto jährlich mehr finde, schiebt das die Rente auch nach vorne… wenn das keine Motivation für die Gehaltsverhandlung ist. 🙂

        Dir auch eine schöne Woche!
        Ivy

        1. Hi Ivy,

          ok dann mein Fehler und Grüße nach Hamburg 🙂

          Ja absolut, sich allein bewusst zu machen, was für einen Effekt die Ausgaben, die wir heute tätigen auf die Zukunft haben, ist spannend. Jeder hat unterschiedliche Ziele und Dinge, die einen glücklich machen. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass jeder davon profitiert, einen Überblick über seinen Ein- und Ausgaben (ohne viel Aufwand) hat und kein „getriebener Konsumkäufer“ ist, sondern bewusst Ausagben tätigt, die ihn glücklich machen und er für sinnvoll hält. Daher arbeite ich auch gerade am eBook + Finanzexcel, um jeden eine einfache Schritt-für-Schritt-Anleitung hierfür an die Hand zu geben.

          Schönen Sonntag dir,
          lg Geldschnurrbart

  3. Es ist doch klar, dass alles, was den Konsum verringert, bei den Industrien oder in den Handelsbranchen schlecht ankommt. Denn die leben eher vom Kehrwert – möglichst viel konsumieren, kaufen, Geld ausgeben…

    Ich finde, jeder sollte sich mal Dokumentationen zu der Konsumindustrie ansehen, aber auch der Werbeindustrie. Da macht man sich bewusst, wie abhängig man „erzogen“ wird von diesen Industrien. Und wenn eben die Mehrheit so tickt, dann ist es auch völlig logisch, dass du belächelt wirst als jemand, der eben anders leben möchte!

    Insofern finde ich es schön, dass es Menschen gibt, die darüber reden und auch berichten, dass sie anders leben und es sogar Spaß macht.

    1. Hi Robert,

      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Ja die Konsumindustrie ist ein großer Markt – was ich gemerkt habe ist, dass wir oft die Kurzfristbelohnungen hoch bewerten. Beim Impulskauf, Fastfood etc. schüttet unser Gehirn Glückshormone aus, weshalb es total nachvollziehbar ist, dass wir das machen. Wenn man aber bedenkt, dass uns die meisten der spontanten Konsumkäufe LANGFRISTIG unsere Lebensfreude eher reduzieren (Kein Geld auf dem Konto, Gesundheit leidet durch ungesundes Essen etc.) – dann hilft mir das in vielen Momenten „stark“ zu sein und den Muskel zu trainieren, diesen Kurzfristbelohnungen nicht immer nachzugeben sondern mehr darauf zu achten, welche Handlungen uns wirklich LANGFRISTIG mehr Lebensqualität bringen. Das ist ein nie endender Lernprozess, macht aber Spaß sich damit auseinanderzusetzen!

      Lg Geldschnurrbart

  4. Hi,
    ich hätte mit 45 in den Ruhestand gehen können, arbeite aber gern und empfinde (ohne soziale Abhängigkeit )eine wesentlich gesteigertere Kreativität und ein freieres Denken im Job. Gerade im Mangement bemerke ich einen starken Druck, was zu einer Jasagergesellschaft führt. Deswegen empfinde ich auch Sympathie für das Thema „bedingungsloses Grundkeinkommen“ für die Gesellschaft.
    Kay

    1. Hi Kay,

      danke für deinen Kommentar. Super, wenn du eine Arbeit gefunden hast, die du gern machst. Wenn du darüber hinaus nicht einmal auf das Einkommen aus dem Job abgewiesen bist, kann ich mir vorstellen, dass du (weil du den Job noch machst) sehr motiviert und wie du schreibst, kreativ bist. An der Thematik „bedingungsloses Grundeinkommen“ gefällt mir der Aspekt, dass man sich nicht sorgen muss, morgen etwas zu Essen und ein Dach über dem Kopf zu haben. Wenn hierdurch mehr Menschen einer Tätigkeit nachgehen können, in der sie motivierter sind, schaffen sie auch insgesamt mehr Mehrwert. Um sich nicht auf „Das System“ verlassen zu müssen ist der geschickte Umgang mit den eigenen Finanzen und der Aufbau von „passivem“ Einkommen aus Kapitalerträgen eine Möglichkeit, dies selbst zu machen.
      Lg Geldschnurrbart

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