Optionsstrategien für Einsteiger [2021] mit Beispielen

Wir haben bis jetzt viel über Optionen gelernt. Wir haben ein passendes Optionen Depot ausgewählt und könnten loslegen. Was wir noch brauchen, ist ein Regelwerk als Auswahl von verschiedenen Optionsstrategien. Wie wähle ich die Aktien aus, auf die ich Optionen handle? Wonach entscheide ich? 

Um den wichtigsten Teil der Optionsserie übersichtlicher zu gestalten, habe ich das Kapitel zur Optionsstrategie in 3 Teile aufgeteilt, die wir uns der Reihe nach anschauen.

  1. Vorbereitung der Optionsstrategie
  2. Regelwerk: Kriterien zur Aktienauswahl
  3. Erweiterungen des Regelwerks (Optional)

1. Vorbereitung unserer Optionsstrategie

  1. Welche Aktien in Frage kommen: Warum ich auf Techwerte setze
  2. Watchlist erstellen
  3. Ziel unserer Optionsstrategie festlegen

1.1 Warum ich auf Techwerte setze

Ich handle bis jetzt ausschließlich US-Aktienoptionen. Mit Aktien kenne ich mich durch das Investieren in ETFs und Einzelaktien ein wenig aus. So fällt mir die Einschätzung einzelner Werte viel leichter als wenn ich mich jetzt am Optionshandel auf Rohstoffe, Anleihen oder einem anderen Basiswert versuchen würde.

Mein Aktiendepot besteht überwiegend aus breit diversifizierten ETFs, ergänzt um Aktien von Qualitätsunternehmen. Dabei sind wachstumsstarke Unternehmen aus der Tech-Branche eher unterrepräsentiert. Zur Gesamtdiversifikation meines Vermögens wären daher etwas mehr Tech-Werte nicht schlecht.

Aus diesem Grund fokussiere ich mein Optionsdepot auf wachstumsstarke Unternehmen vor allem aus der Tech-Branche.

Ein weiterer Vorteil an Tech-Werten ist, dass sie in der Regel deutlich volatiler sind als zum Beispiel Dividenden-Dickschiffe. Das bedeutet, dass die Prämien auch höher sind und das ist für unsere Einnahmen natürlich sehr vorteilhaft.

Volatilität schlägt natürlich in beide Richtungen aus. Aus diesem Grund sollte man mit den Unternehmen auch etwas anfangen können und sie nicht nur wegen einer attraktiven Prämie veroptionieren.

Sollte dennoch eine Option ausgeübt werden, besteht weiter die Möglichkeit, Call-Optionen auf sie zu schreiben.

1.2 Die Watchlist

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Screenshot aus meiner Handelsplattform von Captrader (TWS):


Zu sehen ist  ein Teil meiner Watchlist (Tech-Werte). Wichtige Kennzahlen sind: Letzter Schlusskurs, 52 Wochen Hoch-Tief, Implizite Volatilität und 13 Wochen IV-Rank. Vor kurzem habe ich auch noch das IV-Perzentil hinzugefügt.

Als Inspiration für meine Watchlist (WL) dient mir unter anderem der Blog von Stefan Waldhauser und das Portfolio des Digital Leader Fund. Unternehmen, deren Story ich spannend und vielversprechend finde, kommen in die engere Auswahl. 

Dabei möchte ich die Frage, ob ich bei Ausübung mit der Aktie des Unternehmens leben könnte, immer mit Ja beantworten können. Denn letzten Endes ist unser Risiko von der Aktie des gewählten Unternehmens abhängig.

Eine andere Inspirationsquelle sind Screener wie Marketchameleon.com

Screenshot Marketchameleon um Werte für meine Optionsstrategie zu finden
Screenshot Optionscreener von marketchameleon.com

Hier können Aktien nach optionsrelevanten Kriterien bis zu einem gewissen Grad (in der kostenlosen Version) selektiert werden.

Stoße ich dann auf eine interessante Aktie, schaue ich mir die Aktie bei seekingalpha.com genauer an. Ich lese dann sehr gerne eine bullische und eine bearische Meinung und versuche mir daraufhin selbst ein Bild zu machen.

Ich folge auch 3 Autoren, die immer wieder interessante Unternehmen aus der Tech-Branche vorstellen: Gary Alexander, From Growth to Value und Steve Auger.

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Autoren auf seekingalpha, denen ich folge

Wenn ich dann zu dem Schluss komme, dass ein Unternehmen meinem Beuteschema entspricht, füge ich es der Watchlist hinzu.

Zusammenfassung hilfreicher Seiten & Tools, die ich für meine Optionsstrategie nutze

  • Marketchameleon.com:
    Inspiration für die Watchlist, Volatilitätsrankings, implizite Volatilität, Earnings + Screenshot (Kostenfrei bis zu 100 Aktien)
  • seekingalpha.com:
    Übersicht über einzelne Unternehmen, Kennzahlen, Antithese, um mir mein eigenes Bild zu machen. Hier folge ich den Tech-Autoren “Gary Alexander”, “Steve Auger”, “From Growth to Value”. Meine Watchlist habe ich in die Seeking Alpha App gespiegelt.
  • Digital Leaders Fund:
    Wer, wie ich, spezielle Infos zu Tech-Werten möchte, findet auf dem Blog von Stefan Waldhauser gute Inspiration.
  • Exceltabelle:
    Eine Exceltabelle, um die Optionen zu tracken.


Tracking meiner Optionsprämien seit Beginn 04/2019
Screenshot aus meiner Excel-Tabelle. Die Tabelle führt die entstandenen Cash-Flows (Optionsprämien und Dividenden) sowie realisierten Kursgewinne/-verluste bei Ausübung

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1.3 Ziel unserer Strategie: Unser Cash soll möglichst vollständig veroptioniert sein

Mein Ziel ist, dass nach Möglichkeit das gesamte zur Verfügung stehende Kapital veroptioniert ist, um Prämien zu verdienen. Wie bereits erwähnt, handeln wir ausschließlich Cash Secured Puts (CSP) und/oder Covered Calls (CC).

Um den Zeitaufwand und das Risiko zu rechtfertigen, sollte unser Ziel eine monatliche Rendite von mindestens 1-1,5% sein, sodass wir aufs Jahr gesehen bei mindestens 12% p.a. sind. Andernfalls könnten wir auch passiv in ETFs investieren mit weniger Aufwand. 

Dies war die Vorbereitung. Nun zum Regelwerk, wie ich derzeit entscheide, auf welche Aktie aus meiner Watchlist eine Option verkauft wird. 

2. Regelwerk: Welche Aktie wird nach meiner Optionsstrategie veroptioniert?

Welche der Aktien auf der Watchlist nach meiner Optionsstrategie nun tagesaktuell veroptioniert werden, hängt von mehreren Faktoren ab.

Aus dem Lesen der Bücher, Blogs und meinem ersten Jahr mit eigener Erfahrung habe ich aktuell folgendes Regelwerk, nach dem ich meine Optionen handle. Die einzelnen Punkte erläutere ich der Reihe nach.

Regelwerk zur Basiswert-Auswahl in unserer Optionsstrategie:

  1. Keine Earnings anstehend
  2. Implizite Volatilität > 30 (Erwartete Monatsrendite von mindestens 1-1,5%)
  3. Delta von circa -0,2 für Cash-Secured Puts und +0,2 für Covered Calls
  4. Liquidität
    • Abstand der Verfallstage
    • Abstände der Strikes
    • Optional: Optionsvolumen > 1000
  5. Laufzeit: 25-35 Tage
  6. Always double-check

2.1. Stehen Earnings oder Ähnliches an?

Die Verkündung von Quartalszahlen (Earnings) sind für alle Unternehmen ein Event. Die Kurse fallen oder steigen, je nachdem, ob die Einschätzungen der Analysten unter- oder überboten wurden. 

Optionspreise reagieren oft noch empfindlicher. Deswegen habe ich am Anfang keine Option über die Earnings gehandelt. Das heißt, dass der Verfallstag vorher war und ich nach meiner Optionsstrategie eine neue Option erst nach den Earnings wieder verkauft habe.

Earning bei Marketchameleon
Screenshot von marketchameleon. Anstehende Earnings und andere Events können eingesehen werden (gelbe Box)

2.2. Wie hoch ist die implizite Volatilität (IV >30)?

Je höher die implizite Volatilität (IV) ist, desto besser für unsere Prämien.

Als Minimum halte ich mich an IV > 30. Dieser Wert wird von vielen professionellen Optionshändler und in Büchern als untere Grenze angesehen. 

Interessant ist auch der IV-Rank. Beim IV-Rank wird die aktuelle IV zur durchschnittlichen IV über einen betrachteten Zeitpunkt ins Verhältnis gesetzt. 

100 würde bedeuten, dass die aktuelle IV zu der größten zählt, die der Basiswert im betrachteten Zeitpunkt erreicht hat. 

Null würde bedeuten, dass die aktuelle IV die niedrigste ist. 

Eine andere vielseitige Angabe ist das IV-Perzentil. Beim IV-Perzentil wird in Prozentwerten angegeben, wie oft die IV über einen bestimmten Zeitraum unterhalb der aktuellen IV lag. Ein hoher Wert sagt uns also, dass wir momentan eine hohe IV haben. 

So können im Screener schnell Basiswerte identifiziert werden, die aktuell überdurchschnittlich volatil sind und damit interessant für den Verkauf von Optionen sein können.

Wenn man den IV-Rank und das IV-Perzentil von der praktischen Seite betrachtet, kann auch hier das Rückkehr-zum-Mittelwert Prinzip angewendet werden. Wenn wir Optionen mit hohem IV-Rank oder IV-Perzentil verkaufen, ist es statistisch wahrscheinlicher, dass die Volatilität eher wieder sinkt und zum Mittelwert zurückkehrt, als weiter zu steigen. Sinkende Volatilität heißt Preisverfall und unsere Option kann günstiger zurückgekauft werden, wenn wir das wollen.

Da ich ohne kostenpflichtige Echtzeitdaten arbeite, gibt es noch eine weitere Orientierungshilfe, mit der ihr die Attraktivität eurer Prämie einschätzen könnt:

Ihr teilt die voraussichtliche Prämie durch das für den CSP reservierte Kapital. Ihr solltet eine Rendite pro Monat von mindestens 1-1,5% erzielen.

Je höher die IV ist, desto unsicherer ist die Zukunft und desto höher sind die Prämien. Bei großer IV kann deswegen auch eine kürzere Laufzeit gewählt werden und umgekehrt.

Implizite Volatilität - Ein wichtiger Fatkor bei Optionsstrategien
Implizite Volatilität (IV) und IV-Rank in der TWS Oberfläche von Captrader

Hier ein Screenshot aus meiner Handelsplattform von Captrader (TWS): In der gelben Box werden IV und IV-Rank (13 Wochen) angezeigt.

Da ich ohne Marktdatenabonnement arbeite, sind diese Werte nicht aktuell, sie geben aber einen guten Anhaltspunkt, wie die aktuelle IV einzuschätzen ist.

2.3. Delta: -0,2 für Cash-Secured Puts und +0,2 für Covered Calls

Das Delta beschreibt die ungefähre Wahrscheinlichkeit, am Verfallstag ausgeübt zu werden. Das heißt: die Wahrscheinlichkeit, dass das Gegenteil von dem eintrifft, was ich erwarte. 

Das Delta für einen Put wird zwischen 0 (weit aus dem Geld) und -1 (weit im Geld) angegeben. Für einen Call entsprechend zwischen 0 und +1. Das negative Vorzeichen beim Put können wir für die Wahrscheinlichkeit der Ausübung vernachlässigen.

Beispiel:

Es ist logisch, dass ein Put mit einem Delta -1, der also weit im Geld liegt (ITM = In-The-Money) und somit einen großen Inneren Wert hat, vom Käufer ausgeübt wird, da er mit seiner Option so einen satten Profit machen wird.

In der Literatur werden Deltas zwischen 0,1-0,2 als ergänzendes Auswahlkriterium beschrieben. Ich sehe mich eher in einer offensiven Position, sodass ich für meinen Optionshandel ein Delta von ungefähr 0,2 anstrebe.

Beispiel:
Ich verkaufe eine Put-Option auf Nike mit einem Strike von 85 USD für 50 Tage. Als Prämie bekomme ich 118 USD. Das Delta war zum Zeitpunkt des Handels bei -0,2.

Das heißt, zu diesem Zeitpunkt sieht der Markt die Wahrscheinlichkeit, dass ich ausgeübt werde, bei 20%. Im Umkehrschluss wird der Trade zu 80% für mich als Gewinn enden.

Optionsstrategien Delta der Puts je nach Strike
Delta angegeben für die PUTS (gelber Kasten) , Screenshot Captrader (TWS)

Hier ein Screenshot aus meiner Handelsplattform von Captrader (TWS): In der gelben Box sehen wir die Deltas für die jeweiligen Strikes der Put-Optionen des Basiswertes Elastic (ESTC) mit dem Verfallsdatum 20. März 2020 (22 Tage). Bei einem Strike von 65 USD befindet sich das Delta bei -0,212.

2.4. Liquidität: Wie sind die Abstände der Verfallstage?

Die Abstände der Verfallstage variieren. Auf manche Basiswerte gibt es alle paar Tage Verfallstage, bei anderen nur einmal im Monat oder noch weniger. Das sollte man im Auge behalten, denn je mehr Verfallstage es gibt, desto flexibler können wir reagieren.

Fälligkeitszeitpunkte
Unterschiede in den Abständen der Fälligkeitszeitpunkte, Screenshot Captrader (TWS)

In der Optionskette können die weiteren Verfallsdaten eingesehen werden. Im Falle von iRobot (IRBT) sehen wir Fälligkeitszeitpunkte (Verfallsdatum) in engen Abständen (links). Bei Elastic (ESTC) sind die Fälligkeitszeitpunkte sehr weit auseinander liegend (rechts).

2.4. Liquidität: Wie sind die Abstände der Strikes?

Je kleiner die Strike Abstände sind, desto besser. Denn im Falle einer Ausübung wollen wir eventuell Covered Calls auf unsere eingebuchten Aktien verkaufen. 

Mit sehr nahen Strikes sind wir in der Auswahl der Option, auch zum Beispiel nach einem starken Kursverfall, sehr flexibel. Wir sind nicht gezwungen, eine Option im Geld zu verkaufen oder soweit aus dem Geld, dass es keine lohnenswerte Prämie mehr gibt.

Optionsstrategien
Strike-Abstände am Beispiel von ANGI groß im Vgl. zum Kurswert, Screenshot Captrader (TWS)

In der Optionskette sehen wir die Strikes (gelbe Box) zum Basiswert AngiHomeservices (ANGI). Der Kurswert von Angi (grüne Box) ist im Verhältnis zu den Abständen (2,5 USD) der Strikes sehr klein. Der Basiswert muss also sehr große Kursbewegungen durchführen, um in die Nähe eines Strikes zu gelangen.

Beispiel:
Ich habe einen CSP mit einem Strike von 12.50 USD auf ANGI verkauft. Die Aktie verlor sehr stark und ich wurde ausgeübt.

Das Problem ist, dass die Strikes auf ANGI Abständen von 2.50 USD gesetzt sind. Das entspricht bei einem Kurs von 10 USD einer Kursbewegung von 25%.

So bleibt einem nur im Geld zu verkaufen und dann bei Ausübung definitiv einen Verlust zu realisieren oder den weit aus dem Geld liegenden Strike zu wählen und kaum eine Prämie zu kassieren.

Strikes mit kleinen Abständen
Strikes mit kleinen Abständen im Vergleich zum Kurswert, Screenshot Captrader (TWS)

In der Optionskette sehen wir die Strikes (gelbe Box) zum Basiswert MongoDB (MDB). Der Kurswert von MongoDB (grüne Box) ist im Verhältnis zu den Abständen (1 USD) der Strikes sehr groß. Der Basiswert muss also kleine bzw. moderate Kursbewegungen durchführen, um in die Nähe eines Strikes zu gelangen.

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Optional in der Optionsstrategie: Optionsvolumen > 1000?

Optimal ist eine hohe Anzahl an Optionskontrakten, die gehandelt werden. Dadurch ist der Spread sehr viel geringer und man kommt zu einem planbaren Kurs zum Zug. 

Das sehe ich jedoch nicht dogmatisch. Ist eine Aktie eines Unternehmens sonst für mich interessant, versuche ich trotz eines ungünstigen Spreads eine Option zu verkaufen

Dies bedeutet im konkreten Fall, dass man sich dem Geldkurs vom Briefkurs kommend annähert. So kommt man meist in der Mitte des Spreads zum Zug.

Beispiel:
Unsere Wunschoption hat einen Geldkurs von 1.00 USD und einen Briefkurs von 1.30 USD. Wenn wir diese Option verkaufen wollen, werden wir am Wahrscheinlichsten in der Mitte bei 1.15 USD zum Zuge kommen.

Nun kann man  beginnen, eine limitierte Verkaufsorder von 1.20 USD zu platzieren. Wenn diese nach kurzer Wartedauer nicht ausgeführt wird, reduziert man das Limit auf 1.17 USD usw… bis man seine Option verkauft hat. 

2.5. Laufzeit in meiner Optionsstrategie

Ich wähle meistens Optionen mit einer Laufzeit zwischen 25-35 Tagen. In diesem zeitlichen Bereich arbeitet der Zeitwertverfall effektiv für einen.

Grundsätzlich gilt: je höher die IV, desto kürzer kann die Laufzeit gewählt werden.

2.6 Always double-check

Wenn ich einen Optionshandel durchführen will, stelle ich immer sicher, dass ich genug Geldeinlagen für den CSP und die entsprechende Anzahl von Aktien für den CC im Portfolio habe!

Besonders wichtig ist dies wenn man eine Option rollen will: man kauft eine Option zurück und verkauft anschließend einen neue Option mit einem anderem Strike (weg-rollen) auf den Basiswert. Wenn für das Zurückkaufen mehr bezahlt wurde als die Prämie fürs Weg-rollen eingebracht hat, macht man natürlich einen Verlust. Dieser Verlust fehlt dann der Geldeinlage. Wenn man sein Depot dann noch zu 100% veroptioniert hätte, wäre mindestens ein CSP nicht mehr vollständig gedeckt und das will ich tunlichst vermeiden!

Deswegen always double-check dann erlebt man keine böse Überraschung.

3. Mögliche Erweiterungen für die Optionsstrategie

Häufig genannte Ergänzungen zur Erweiterungen der Regeln, die ich derzeit jedoch nicht konsequent umsetze. Ich möchte sie dennoch nicht unerwähnt lassen, weil sie für euch vielleicht eine sinnvolle Ergänzung darstellen.

3.1 Gewinnmitnahme bei xx%

Läuft eine Option besonders gut für einen, kann es sein dass wir die Option in einem Bruchteil der Laufzeit für einen geringen Betrag zurückkaufen können und dann xx% Gewinn einbuchen können. Ich mache das vom Kursverhalten des Basiswerts und von der Möglichkeit lukrativere Optionen zu schreiben abhängig.

Schleicht der Kurs immer in der Nähe meines Strikes herum (Seitwärts-Trend), realisiere ich gerne 50% Gewinn wenn sich mir die Möglichkeit bietet.

Wenn es einen klaren Aufwärtstrend gibt, realisiere ich einen xx% Gewinn nur wenn ich danach auch einen neuen CSP mit lukrativer Prämie in Aussicht habe.

Das ist nämlich ein Nachteil einer Gewinnmitnahmeregel: du musst insgesamt mehr Trades finden um dein Kapital optimal auszunutzen. Das kostet jedes Mal Transaktionskosten, die bei kleineren Depots schnell ins Gewicht fallen.

3.2 Verlustbegrenzung auf 200%

Wenn ihr euch mit Optionen beschäftigt, werdet ihr immer wieder 200% Verlustbegrenzung hören.

Das bedeutet, dass man eine Option glattstellt, wenn der Rückkaufspreis das Doppelte der vereinnahmten Prämie ist oder dass der Gesamtverlust der Option dem Doppelten der Prämie entspricht.

Im zweiten Fall wird vom Rückkaufpreis die vereinnahmte Prämie abgezogen. Dieser realisierte Verlust entspricht dann dem Doppelten, was ihr durch die Option verdient habt.

Für mich spielt diese Regel nur eine Rolle, wenn man auf Margin handelt. Da ich nur CSP und CC handle und Aktien auswähle, mit deren Ausübung ich leben kann, betreibe ich in der Regel keine Verlustbegrenzung.

Im Cororna-Crash kam mir das zu Gute. Viele Optionshändler, die auf Margin handeln, mussten ihre Optionen mit Verlust zurückkaufen. Sie mussten einen Verlust realisieren, da sie die Ausübung der gehandelten Basiswerte nicht hätten bezahlen können. Ich habe natürlich auch deutliche Buchverluste erlitten, die ich aber nach vier Wochen wieder ausgleichen konnte (Stand Mitte April 2020).

Durch den gedeckten Handel (Cash Secured Put, Covered Call) ist man meiner Ansicht nach, neben dem bekannten und kalkulierbaren Risiko, auch flexibler bei der Reaktion auf solch einen Crash, weil man nicht zur Realisation von Verlusten gezwungen ist. Allerdings wird sich erst am Ende eines sinnvollen Betrachtungszeitraums zeigen, ob ein derartiges Vorgehen im Vergleich zu seiner Benchmark vorteilhaft war.

3.3 Diversifikation als Teilziel von Optionsstrategien

Es ist sinnvoll, auch seine verkauften Optionen auf verschiedene Aktien aus verschiedenen Branchen aufzuteilen. Dies funktioniert natürlich nur, wenn man über ausreichende Mittel verfügt.

Gerade am Anfang wird das nicht der Fall sein. Meine erste verkaufte Option wurde von meinen gesamten eingezahlten Mitteln abgesichert. Auch jetzt mit circa 20.000 EUR verfügbaren Mitteln verkaufe ich nur zwischen 3-6 Optionen.

Auch das ist sicher keine optimale Diversifikation. Von einer Branchen-Diversifikation ganz zu schweigen. Wenn ich in meinem Options-Depot einmal 100.000 EUR und mehr habe, beginne ich vielleicht auch mit Diversifikation 🙂

3.4 Weitere Ideen zur Aktienoptionsauswahl

Auswahl eines Titels, der zuletzt gefallen ist:
Man spekuliert hier etwas auf den Reversion-to-mean Effekt, also Rückkehr zum Mittelwert. Das trifft natürlich nur zu, wenn der Markt eine Aktie unrechtmäßig oder zu stark abgestraft hat.

Das zu beurteilen ist wohl die wahre Kunst. Bei den Tech-Werten funktioniert dieser Ansatz ganz gut, vermutlich weil die ohnehin sehr volatilen Tech-Werte auf gute und schlechte Nachrichten sehr empfindlich reagieren.

Der Reversion-to-mean Effekt kann hier meiner Erfahrung nach vor allem auf kurze Sicht (30 Tage) oft gut genutzt werden.

Verkaufszeitpunkt der Option anhand von technischer Analyse bestimmen:
Man kann sich fragen, ob man eine Option jetzt oder in 2 Stunden verkauft. Dazu kann man sich in der TWS ein Chart mit Bollinger-Bändern anzeigen lassen.

In der Theorie wird auch hier von einer Rückkehr zum Mittelwert ausgegangen. Bewegt sich der Kurs am oberen oder unteren Rand des Bandes, soll er wieder in die Mitte zurückkehren.

Je nachdem, ob ich CSP oder CC verkaufen möchte, könnte es sinnvoll sein, gleich zu verkaufen oder noch zu warten. Ich bin allerdings skeptisch, ob das wirklich was bringt.

Zu sehen ist ein 2-Wochenchart mit stündlichen Kerzen auf den Basiswert Alteryx (AYX). Über den Chart ist das Bollinger-Band (20-Tage einfacher gleitender Durchschnitt) gelegt.

Der Theorie nach müsste der Kurs (gelbe Box) wieder zur Mitte zurückkehren und somit der Kurs die nächste Zeit steigen. Wer einen Put verkaufen will, sollte dies möglicherweise sofort tun.

Optionsstrategien Bollinger Bänder
Bollinger-Band am Beispiel von Alteryx (AYX), Screenshot Captrader TWS

Grundsätzlich sind viele Marktteilnehmer von der technischen Analyse überzeugt. Sie ist gewiss kein Heiliger Gral, aber ich denke manche Effekte sind real, wie der Reverse-to-Mean-Effekt. In diesem Zusammenhang hatte ich die Gelegenheit den Kurs von Ulrich Müller zu testen und konnte doch einige Anstöße für meinen Optionshandel mitnehmen. Wer interessiert ist findet nachfolgend mehr Informationen.

Die Blaupause eines Investors von Ulrich Müller

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4. Wann Optionen handeln (Uhrzeit)?

Das lässt sich schnell beantworten: US-Aktienoptionen handeln wir wenn die US Börsen geöffnet sind. Das ist normalerweise ab 15:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit der Fall.

Das trifft sich auch gut mit der Arbeitszeit der meisten Berufstätigen. Wenn wir abends nach Hause kommen, können wir uns noch etwas dem Optionshandel widmen wenn wir das möchten. Dann ist auch die oft volatile Anfangsphase des Börsenhandels zur Ruhe gekommen.

Ich habe euch noch eine hilfreiche Liste von sehr interessanten Links zusammen gestellt, die diese Option-Strategie und deren Urfom („The Wheel„) behandeln:

  • optionstradingiq.com (englisch): Die Autoren erläutern hier die Wheel Strategy anhand eines definierten Depots. Sie diskutieren die möglichen Ausgänge und Folgen des jeweiligen Trade.
  • theoptionprophet.com (englisch): US-Blogger, der sich mit verschiedenen Optionsstrategien beschäftigt. Im verlinkten Artikel geht er auf die Urform der oben beschrieben Strategie („The Wheeltrade“) ein.
  • keyforcast.com (englisch): Die Autoren beschreiben ebenfalls „The Wheel Strategy“, allerdings mit Augenmerk aufs Einsammeln von Prämien und das Verhindern von Ausübungen.
  • mission-cashflow.de (deutsch): sehr lesenswerter Blog von Ingo Scholtz, der eine Variante der Wheel-Strategie nutzt und dies bereits seit 3 Jahren erfolgreich umsetzt. Die Prämien und Trades werden sehr transparent, regelmäßig und anschaulich dokumentiert. Neben Optionen befasst sich der Blog auch mit Dividenenstrategie und Einkommen aus P2P.

Im nächsten Teil schauen wir uns ganz konkret Optionen handeln in der Praxis an. Falls noch nicht geschehen, organisiere die Eröffnung deines Optionen Depots, dann kannst du im nächsten Teil direkt aktiv werden.

Weiter mit Teil 8: Optionen handeln: Optionshandel in der Praxis.

Konnte ich dir meine einfache Optionsstrategie näher bringen? Hast du noch offene Fragen oder Anmerkungen? Hinterlasse gerne einen Kommentar!
Wir freuen uns, gemeinsam zu lernen!

Risikohinweis / Disclaimer

Der Inhalt wurde mit größter Sorgfalt und nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Der Autor übernimmt ausdrücklich keine Verantwortung, Garantie und/oder Gewähr für die Korrektheit und Vollständigkeit der Informationen. Vom Autor erwähnte Aktien, Optionen und sonstige Investmentarten sind immer mit Risiken behaftet und können zum Totalverlust des Kapitals führen (Weshalb wir nur einen kleinen Teil unseres Gesamtvermögens einsetzen).

Alle Texte sowie Hinweise und Informationen stellen keine Anlageberatung oder Empfehlung dar. Sie dienen lediglich der Weiterbildung und Unterhaltung! Sollte der Leser sich Inhalte dieses Artikels zu eigen machen oder etwaigen Ratschlägen folgen, so ist er sich bewusst, dass er eigenständig handelt und für sein Tun selbst Verantwortung trägt. Eine Haftung, auch im Einzelfall, ist ausgeschlossen.

✅ Was benötige ich um Optionen zu handeln?

Du benötigst grundlegendes Verständnis darüber was Optionen sind, eine Optionensstrategie, frei verfügbares Kapital, das du nicht zum Leben brauchst und einen Optionen Broker. In meiner Artikelserie stelle ich meinen Weg zum Optionshandel vor.

✅ Welche Risiken habe ich beim Optionshandel?

Das hängt von der gehandelten Option ab. Es gibt Optionshandel bei denen ein theoretisch unbegrenztes Verlustrisiko besteht. Ich bevorzuge abgesicherte, gedeckte Option zu handeln. Mit gedeckten Put-Optionen oder Call-Optionen lässt sich das Risiko für einen klar und verständlich darstellen. Dazu habe ich ein Regelwerk zu meiner Optionsstrategie erstellt.

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2 Gedanken zu „Optionsstrategien für Einsteiger [2021] mit Beispielen“

  1. Hallo Florian,
    sehr interessant dein Artikel über Optionen. Könntest du noch ein wenig genauer berichten, wie es zu deiner Aktienauswahl (Watchlist) kommt? Nach welchen Kriterien filterst du?

    Beste Grüsse und weiter so

    Antworten
    • Hallo Gerd,
      Tech-Werte, weil sie in meinem Hauptdepot unterrepräsentiert sind und ich so eine harmonischere Branchenverteilung über mein Vermögen bekomme. Desweiteren sind Techwerte oft volatiler und damit attraktiver für mich in der Veroptionierung. Die Unternehmensauswahl treffe ich anhand von Techprodukten des täglichen Lebens sowie der Einschätzung und Beschreibung meiner favorisierten SA-Autoren. Wenn mir deren Produkt zusagt, kommen sie auf meine WL. Grüße Alex

      Antworten

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