Finanzielle Freiheit mit Kindern – Tinki (33) mit 62% Sparquote

Heute haben wir eine interessante Leserstory vonTinki (name geändert), die finanzielle Freiheit mit/trotz Kindern erreichen möchte. Laut Destatis geben Familien im Schnitt für ein Kind monatlich knapp 800 Euro aus. Tinki und ihr Mann sparen trotz Kind über 60% vom Nettoeinkommen. Wie das geht, beschreibt sie in der Leserstory.

Hallo, ich bin Tinki (Name geändert), 33 Jahre alt, verheiratet und Mutter einer fast zweijährigen Tochter. In weniger als einem Monat wächst unsere kleine Familie noch weiter und unsere Tochter bekommt einen kleinen Bruder. Den „Geldschnurrbart“ Florian kenne ich nun schon fast zehn Jahre aus unserem gemeinsamen Auslandspraktikum in den USA.

Als interessierte Leserin von Geldschnurrbart.de darf ich heute meine persönlichen Erfahrungen mit euch teilen: Wie verändert sich die finanzielle Situation mit Kind? Verändern sich die Ausgaben im erwarteten Umfang? Wie verändert sich die Einstellung zur „Finanziellen Freiheit“?

Ziel „Finanzielle Freiheit“ mit Kindern?

Einige Leser hier auf Geldschnurrbart.de streben die Finanzielle Freiheit an oder finden jedenfalls den Gedanken daran attraktiv. Daher habe ich mich selber gefragt, ob mein großes Ziel die Finanzielle Freiheit ist.

Ich würde eher davon sprechen, dass mein Ziel „Finanzielle Sicherheit“ ist. Ich bin nicht unzufrieden mit meinem Job und ich bin nicht sicher, ob ich jemals mutig genug wäre, den großen Schritt einer Kündigung zu wagen, ohne bereits eine gleichwertige Alternative zu haben.

Erstrebenswert finde ich vor allem, bis zum Rentenalter ein finanzielles Polster zu haben, mit dem ich völlig unabhängig bin von der gesetzlichen Rente oder sonstigen staatlichen Zahlungen.

Insbesondere will ich keinesfalls meinen Kindern im Alter „auf der Tasche liegen“. Weder früher ohne Kind noch heute empfinde ich eine hohe Sparquote als Einschränkung.

Vielmehr empfinde ich es als Ansporn und es macht mir Spaß zu hinterfragen, welche Ausgaben wir als Familie wirklich brauchen. Daher ist mir eine hohe Transparenz unserer Einnahmen und Ausgaben wichtig.

Basis hierfür ist eine Finanzexcel, die ich mir vor etwa fünf Jahren aufgebaut habe und monatlich pflege. (Tipp der Redaktion: Testet gerne Mal unsere Monetaz App als kostenlose Alternative zu Excel)

Einnahmen ohne und mit Kind

Einnahmen
Unsere Einnahmensituation

Als Wirtschaftsingenieurin bei einem großen Automobil- und Industriezulieferer war das Gehalt meiner 35-h-Vollzeitstelle vor der Geburt unserer Tochter zum Glück so hoch, dass mir – genau wie auch meinem Mann – der Elterngeld-Höchstsatz in Höhe von 1.800 € zustand.

Wir entschieden uns für 14 bezahlte Elterngeldmonate – ich 12, mein Mann zwei. Nach einem Jahr Elternpause stieg ich wieder mit 15 Stunden pro Woche ein und erhöhte nach einem guten halben Jahr auf 20 Wochenstunden.

Das bayerische Familiengeld über 250 € monatlich stockt das geringere Gehalt seit dem 13. Lebensmonat unserer Tochter noch ein wenig auf.

Hinzu kommt das Kindergeld in Höhe von aktuell 219 € monatlich. Die Kapitalerträge aus unserem Aktiendepot mit ETFs und Einzelwerten haben sich in den letzten Jahren kaum verändert, weil wir die Überschüsse aktuell zum großen Teil auf dem Tagesgeldkonto liegen lassen für die Investition in eine Immobilie.

Unsere Einnahmen sind jetzt mit Kind (2020 & 2021) insgesamt um rund 12T€ bzw. 14% geringer als vorher (2019).

Meine Teilzeitstelle konnte das wegfallende Elterngeld 2021 kompensieren, sodass die Gesamteinnahmen auf einem ähnlichen Niveau gehalten werden konnten wie 2020.

Auch mit unserem zweiten Kind plane ich aktuell einen Wiedereinstieg mit Teilzeit nach etwa einem Jahr Elternpause. Wir rechnen daher auch in den kommenden Jahren mit zwei Kindern mit einem vergleichbaren Einnahmenniveau wie 2020 und 2021.

Ausgaben ohne und mit Kind

Die Einnahmen sind – wie zu erwarten war – geringer mit Kind, aber wie sieht es auf der Ausgabenseite aus?

Ausgaben
Ausgaben ohne und mit unserem Kind

Tatsächlich gab es hier einige Veränderungen.

Hinzu kamen ab 2020 die Ausgaben für den Nachwuchs, die sich in den ersten beiden Jahren mit Kind auf etwa 3.000 € im Jahr beliefen.

Die größte Ausgabe mit rund 1.400 € im ersten Jahr war hierbei ein Fahrradanhänger mit diversem Zubehör, den wir uns als begeisterte Fahrradfahrer neu zulegten und der uns häufig auf eine Fahrt mit dem Auto verzichten ließ.

Der hohe Wiederverkaufswert war ein entscheidendes Argument für die Neuanschaffung. Wichtig war uns zudem, Babyschale und Kleinkindautositz für etwa 600 € aus Sicherheitsgründen nicht gebraucht, sondern neu zu erwerben.

Weitere Anschaffungen wie Kinderwagen, Buggy und Kinderzimmermöbel wie Beistellbettchen sowie Kinderbett machten in Summe nur knapp 450 Euro aus, da wir vieles gebraucht zu günstigen Preisen erwerben konnten.

Geschenke und Leihgaben von Familie und Freunden machten einige Anschaffungen zudem überflüssig. Man kann gerade für die Erstausstattung sehr viel Geld ausgeben. Es lohnt sich auf jeden Fall zu hinterfragen, was man (neu) braucht.

Die durchschnittlichen monatlichen Ausgaben für „Babypflege“ (d.h. Windeln, Pflegeprodukte etc.) belaufen sich auf knapp 30 Euro. Für Kleidung und Schuhe gaben wir im Mittel weniger als 25 Euro monatlich aus.

So schnell wie Kinder am Anfang wachsen, gibt es hier auch kaum Grenzen nach oben.Wir sind froh, dass wir uns für die ersten Lebensjahre viel von Freunden ausleihen können.

Seit September 2021 geht unsere Tochter in die KiTa. Im vergangenen Jahr 2021 gaben wir für die vier Monate etwa 1200 € für die Betreuung dort aus. Zukünftig rechnen wir mit zusätzlichen Ausgaben für Krippe bzw. Kindergarten, steigenden Ausgaben für Freizeitaktivitäten und langfristig für die Ausbildung unserer Kinder.

Aktiendepot für die Kleinen

Mit der Geburt haben wir für unsere Tochter ein Aktiendepot eröffnet und ein Startkapital in Höhe von 1.000 € angelegt. Monatlich investieren wir zudem 50 € in ETFs über einen Sparplan für sie.

Unsere Hoffnung ist natürlich, unsere Kinder dadurch früh motivieren zu können, sich mit dem Thema Geldanlage zu beschäftigen und einen bewussten Umgang mit Geld zu erlernen.

Selbstverständlich wollen wir ihnen damit auch ein gewisses Startkapital mit auf den Weg geben. Diese Ausgaben sind der Kategorie „Geschenke“ zugeordnet.

Sparquote von 62% – auch mit Kind

An unseren veränderten Ausgaben sieht man ganz deutlich, wie sich auch unser Lebensstil mit Kind gewandelt hat. Wir kochen noch mehr daheim als früher und bevorzugen aktuell Tagesausflüge mit dem Fahrrad oder Wanderungen gegenüber längeren Reisen.

Die Haushaltsausgaben sind dementsprechend gestiegen, aber gleichzeitig sind die Freizeitausgaben insbesondere für Gastronomie und Reisen so stark zurückgegangen, dass die Mehrausgaben kompensiert werden.

Es steht außer Frage, dass unser veränderter Lebensstil zum Teil auch auf die Pandemie zurückzuführen ist.

Insgesamt sind die Ausgaben also mit Kind auf einem ähnlichen Niveau wie vorher. Bei gleichzeitig gesunkenen Einnahmen ergibt sich eine geringere Sparquote. Während diese 2019 noch bei 68% lag, konnten wir 2020 immerhin noch eine Sparquote von 64% bzw. 62% im vergangenen Jahr erreichen.

Fazit

Uns ist bewusst, dass die Ausgaben während der ersten Lebensjahre unserer Tochter nicht unbedingt maßgeblich für die nächsten Jahre sind. Kinder werden älter und ihre Bedürfnisse wachsen.

Insbesondere für die Ausbildung muss mit hohen Ausgaben gerechnet werden. Dennoch ist es sicherlich nicht nur für mich, sondern auch für einige Leser mit Kinderwunsch ein toller Ansporn zu sehen, dass eine hohe Sparquote auch mit Kindern nicht utopisch ist.

Wird die Finanzielle Freizeit angestrebt, verlängert sich der Weg dorthin mit Familie mit Sicherheit, kann aber durchaus erreicht werden.

Danke an Tinki an dieser Stelle für die Offenheit. Wie ist es bei dir, planst du auch mit Kindern die finanzielle Freiheit?

Wir freuen uns auf deinen Kommentar!

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