Leserstory Denny: 2 Jahre Selbstständigkeit – Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig

P2P Conference Riga, Denny Vincent und ich
Drei Musketiere am Glas: Denny (rethinkp2p), meine Wenigkeit, Vincent (freaky finance) v.l.n.r. auf der P2P Conference 2019 in Riga

Wenn eine Leserstory mit Bier beginnt, wird sie gut 🙂 Heute freue ich mich, dass mein Kumpel Denny, den ich auf der P2P Conference in Riga 2019 kennengelernt habe, über seinen Lebensweg berichtet. Auch er hat den Wechsel in die Selbstständigkeit vollzogen, wenn auch aus anderen Gründen und es ist Zeit, ein Fazit zu ziehen. Viel Spaß mit der Leserstory und danke an Denny für die Offenheit!

Denny Neidhardt
Denny Neidhardt (31)

Hi, ich bin Denny. 31 Jahre jung und aktuell wohnhaft in Berlin. Nachdem ich 2013 ein Bachelorstudium als Angewandter Medienwissenschaftler absolviert habe, bin ich danach ca. fünf Jahre lang als Angestellter im Vertriebsumfeld beschäftigt gewesen.

Seit genau zwei Jahren bin ich mittlerweile als Selbstständiger aktiv. Eine Zeit, in der ich viel gelernt habe und wo es neben zahlreichen Höhepunkten aber auch immer mal wieder Momente der Ernüchterung und des Selbstzweifels gab. Insgesamt bin ich zwar durchaus zufrieden wie sich meine Selbstständigkeit entwickelt hat, dennoch frage ich mich in den letzten Wochen immer häufiger, ob dieser Weg auch der richtige für mich ist.

In diesem Artikel möchte ich Dich auf eine kleine Reise mitnehmen und Dir meine persönliche Geschichte erzählen.

Der Ausgangspunkt: Die Kündigung

Bist Du schon mal gekündigt worden? Und ich meine nicht nur ordentlich, sondern fristlos? Falls nicht kann ich Dir sagen: Schön ist das nicht. Der Moment wirkte so surreal, dass er sich bis heute noch gut bei mir eingeprägt hat. Es war der 24. April 2018. 

Als Vertriebsmitarbeiter sieht man sich zwar ständig mit Ablehnung konfrontiert und ist für das Thema der sozialen Ausgrenzung durchaus sensibilisiert, aber diese Kündigung war ein anderes Level. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich fünf Jahre lang im Geschäftskundenvertrieb gearbeitet. Davon die letzten eineinhalb Jahre bei einem Berliner Konferenz-Unternehmen, welches mir nun den schwarzen Peter zugeschoben, mich als Buhmann gebrandmarkt und folgerichtig vor die Tür gesetzt hatte.

Denny in der Corporate World als Angestellter im Geschäftskundenvertrieb

Dass meiner Klage vor dem Arbeitsgericht später stattgegeben wurde und ich eine nette Abfindung erhielt, ließ mich jedoch nicht als den moralischen Sieger fühlen. Etwas war zerbrochen. Mund abputzen und weitermachen? Ging nicht.

Vielleicht verstehen das nur ehemalige Vertriebler. Aber dieser Job hat extrem viel mit Identifikation zu tun. Man ist das Aushängeschild für ein Unternehmen, deren Produkte oder Dienstleistungen man vertritt. Ohne diese persönliche Überzeugung bleibt von diesem Job nur eine leere Hülle mit gängigen Klischees, die viele provisionsgetriebene Verkäufer immer noch erfüllen. 

Ich habe die Arbeit im Vertrieb geliebt, weil ich hier meinen Wettbewerbscharakter ausleben und gleichzeitig für etwas einstehen konnte, wovon ich persönlich überzeugt gewesen bin. Doch diese Kündigung war wie eine schellende Ohrfeige für mich. Ich wusste, dass ich nicht so einfach zur Tagesordnung übergehen konnte.  

Stabilität dank finanzieller Ressourcen

Die ersten Wochen nach der Kündigung war ich ziemlich plan- und orientierungslos. Zwar wusste ich, was ich nicht machen wollte – nämlich nicht sofort in den nächsten Vertriebsjob in der Corporate Welt springen – aber wohin mich mein Weg führen sollte, war genauso ungewiss. Nun muss man kein Prophet sein um zu erkennen, dass es so nicht ewig weitergehen konnte. Der Grad unserer Selbstbestimmtheit hängt im Wesentlichen immer noch von unseren wirtschaftlichen Voraussetzungen ab. Kein Job, kein Geld. Die Rechnung ist relativ einfach.

Denny kaufte 2016 eine Immobilie als Kapitalanlage

Daher beschäftigte ich mich im Sommer 2018 zunehmend mit dem Thema Finanzbildung und dem Investieren. Zwar hatte ich Ende 2016 meine erste Immobilie als Kapitalanlage gekauft und fing 2017 auch an in P2P Kredite zu investieren, allerdings lag meine damalige und primäre Motivation darin begründet, dass mein hart erarbeitetes Geld nicht an Kaufkraft verlieren sollte (Inflation). 

Erst 2018, nachdem ich mich auch zunehmend mit dem Thema Aktien und ETFs vertraut gemacht hatte, rückte das Thema Finanzielle Unabhängigkeit und ein Cashflow-orientierter Ansatz beim Investieren in den Vordergrund. Nachdem ich meine Finanzen nun noch genauer dokumentierte, stellte ich zu meiner eigenen Überraschung fest, dass meine Voraussetzungen gar nicht so schlecht gewesen sind. 

Die Kapitalerträge meiner Vermögenswerte konnten ungefähr meine gesamten Ausgaben decken. Konkret lagen meine fixen und die variablen Kosten zu diesem Zeitpunkt bei zusammengerechnet 1.000 Euro pro Monat. Hinzu kamen noch zwei Investitionskredite in Höhe von 480 Euro. Auch wenn das für viele vielleicht als sehr wenig erscheinen mag, einen konkreten Verzicht habe ich nicht wirklich verspürt. Fußball spielen gehen oder sich mit Freunden zum Grillen treffen hatte immer einen größeren Stellenwert bei mir als seinen Haushalt mit Konsumgegenständen aufzuladen.

Da ich der Lifestyle-Inflation ein Schnippchen geschlagen hatte und Konsumschulden nur aus dem Privatfernsehen kannte, faszinierte mich wie wirtschaftlich unabhängig ich bereits von einem ansonsten notwendigen Arbeitsverhältnis geworden bin.   

Der Weg in die Selbstständigkeit

Mit dem Rückenwind meiner finanziellen Gesamtsituation wusste ich, dass ich ohne größeren Druck versuchen konnte, mich selbst zu verwirklichen und eigene Projekte voranzutreiben. 

Da der Geschäftskundenvertrieb jahrelang meine größte Leidenschaft und Triebfeder gewesen ist, berate ich nun andere Verkäufer und Vertriebseinheiten in ihren Aktivitäten.

Meine ersten Aufträge erhielt ich dabei durch befreundete Studienkollegen, die mittlerweile eigene Unternehmen gegründet hatten. Das sind zwar alles keine großen Corporate Unternehmen, aber gerade die persönlichere Arbeit in flachen Hierarchie-Strukturen bietet durchaus seinen Reiz.

Auch den Perspektivwechsel finde ich dabei durchaus interessant. Ging es früher meistens eher darum, selbst noch besser zu werden, liegt der Fokus nun deutlich stärker darauf, anderen dabei zu helfen, ihre Potenziale zu entfalten. Ich bin nun nicht mehr operativ eingebunden, sondern strategisch. Eine schöne und willkommene Abwechslung.  

Außerdem investiere ich viel Zeit in ein weiteres Projekt, dass mir ebenfalls sehr stark ans Herz gewachsen ist. Nämlich in re:think P2P Kredite. Der Auslöser ist dabei relativ einfach gewesen. Durch mein Verständnis dafür, dass finanzielle Bildung der Schlüssel zu einem freieren und selbstbestimmteren Leben ist, wollte ich einen Teil zu dieser Agenda beitragen.

Denny und seine neue Leidenschaft der P2P Kredite: Hier im Gespräch mit Mintos CEO Martins Sulte in Riga 2019

Das Investieren in Privatkredite (P2P Kredite), bei dem die Banken als Intermediär ausgeschalten werden, ist dabei eine relativ neue und alternative Form der Geldanlage, bei der Verbraucher mit ähnlich vielen Chancen wie auch Risiken konfrontiert werden. Diese auf wöchentlicher Basis zu moderieren und einzuordnen, ist seit Januar 2019 ein fester Bestandteil meiner Selbstständigkeit geworden.

Hinzu kommen immer mal wieder kleinere Auftragsarbeiten, bei denen ich entweder Texte ins Deutsche übersetze oder komplett neue Inhalte im Auftrag von externen Firmen erstelle. Alles in allem ein bunter Mix mit viel Abwechslung, der mir immer noch viel Spaß bereitet.

Zwischen Euphorie, Routine und Ernüchterung

Buch von Denny auf Amazon*

Zeit in seine eigenen Projekte zu investieren und auch eigenen Ideen zu realisieren, hat etwas zutiefst erfüllendes. Als ich im Mai 2019 zum Beispiel mein erstes Buch im Eigenverlag veröffentlicht habe – nachdem ich zuvor neun Monate lang daran gearbeitet hatte – war so ein Moment. Etwas in den Händen zu halten, was man selbst erschaffen und wofür man viel Zeit, Schweiß und Aufopferung hineingesteckt hat, ist ein unbeschreibliches Gefühl. Die Euphorie solcher Momente ist nur schwer in Worte zu fassen. 

Ähnlich wie wenn man merkt, dass einem plötzlich mehr als 100, 1.000 oder jetzt über 4.600 Abonnenten auf YouTube folgen. Als die Idee entstand, parallel auch Videos zu meinen Artikeln zu veröffentlichen, wollte ich zum einen meine Reichweite erhöhen und mich zum anderen in verschiedenen Bereichen der Videoproduktion ausprobieren. 

Dabei ist der Zeitaufwand für ein bis zwei Videos pro Woche nicht zu unterschätzen. Doch wenn ich mir heute ansehe, was heute nach zwei Jahren aus dem YouTube Kanal geworden ist, macht mich das stolz.

Aber ich würde Lügen, wenn es bei den vielen schönen Momenten nicht auch eine Kehrseite der Medaille geben würde.

So schön die frei gewählte Arbeit auch ist, am Ende ist es eben auch nur ein Job wie jeder andere auch. Zwar ist man bis zu einem bestimmten Grad selbstbestimmter, dafür nimmt die Eigenverantwortung auf der anderen Seite gleichermaßen zu. 

Man muss erfüllen, man muss leisten, man muss schaffen. Von außen sieht das vielleicht nicht nach Zwang aus, da es eigentlich auch keiner ist. Und irgendwie aber doch.

Hinter dem vermeintlichen Erfolg stecken viele Stunden harter Arbeit. Diese bei zunehmender Routine zu leisten ist nur die Grundvoraussetzung für den finanziellen Erfolg, nicht die Garantie.

Wenn ich mir meine finanzielle Entwicklung in den letzten beiden Jahren ansehe, dann erkenne ich durchaus einen gewissen Trend, der mich stolz macht. Stolz auf das, was ich bis zu diesem Zeitpunkt geleistet habe. Gleichzeitig merke ich aber auch, dass es bei weitem nicht genug ist um a) das Gehaltsniveau aus dem Angestelltendasein zu erreichen und b) um die Selbstständigkeit als eine langfristige Perspektive zu betrachten.

Um es in konkreten Zahlen auszudrücken: In meinem letzten Job habe ich durchschnittlich 3.000 Euro netto im Monat verdient. In der Selbstständigkeit liege ich aktuell bei 2.000 Euro brutto pro Monat. Nachdem im Monat aktuell 1.100 Euro für die freiwillige GKV und die Einkommenssteuervorauszahlungen wegfallen, bleibt der Rest für fixe und variable Lebenskosten übrig. 

Der Optimist könnte jetzt sagen: Ich schaffe es aktuell, von meiner Selbstständigkeit zu leben. Das System trägt sich von selbst.  Aber: Als Selbstständiger muss man das Thema Altersvorsorge bekanntlich nochmal anders angehen. So wie das auch für viele andere Angestellte in meinem Alter gilt. Zumindest würde ich keinen Wettschein mehr auf die gesetzliche Rentenversorgung lösen.

In anderen Worten: Aktuell kann ich meine Selbstständigkeit zwar „finanzieren“, dafür fehlt mir aber das Einkommen für meine Investments in die private Rentenvorsorge. Was soll ich also tun? 

Finanzielle Unabhängigkeit: Wichtig, aber zweitrangig!

Pragmatisch betrachtet gibt es für mich jetzt zwei Möglichkeiten.

  • Erstens: Ich bleibe weiterhin in der Selbstständigkeit aktiv und muss es schaffen, durch zusätzlichen Mehrwert mein Einkommen zu steigern.
  • Zweitens: Ich gehe in die Corporate Welt zurück, verkaufe meine Arbeitskraft für teures Geld und kann mein Vermögens schneller auf- und meinen Cashflow weiter ausbauen.  

Beide Optionen bieten Vor- als auch Nachteile.

Aktuell habe ich mich dazu entschieden, den eingeschlagenen Weg der Selbstständigkeit weiter zu verfolgen. Zum einen, weil ich langfristig die Perspektive sehe, mehr Umsatz in der Selbständigkeit zu verdienen – sowohl mit bestehenden als auch mit neuen Projekten – zum anderen, weil ich bereits viel Zeit in meine Selbständigkeit gesteckt habe und die Erfüllung dieser Arbeit den vermeintlichen Sicherheitswert einer Festanstellung überwiegt.

Zwei Jahre sind eine vergleichsweise kurze Zeit. Auch das ist mir bewusst. Selbst wenn ich lange noch nicht da bin wo ich wirtschaftlich gesehen hin möchte, ist der Tank noch voll genug um weiterhin seine eigene Vision zu verfolgen. Falls Du mich ein Stück auf diesem Weg begleiten willst, schau gerne mal auf meinem P2P Kredite Blog vorbei oder abonniere meinen YouTube-Kanal. In der Projekt 2X Playlist veröffentliche ich immer auch mal Videos zum Thema Finanzielle Unabhängigkeit.   


Danke an Denny für die interessanten Einblicke! In vielem kann ich mich sehr gut wiederfinden, als ich meinen Ingenieursjob 2018 gekündigt habe. Plötzlich deutlich weniger laufende Einnahmen zu haben (obwohl ein Puffer vorhanden ist) fühlt sich erst einmal nicht gut an. Auch kann ich bestätigen, dass ein Buch schreiben, einen Blog oder Youtube starten, deutlich mehr Arbeit sind, als man von außen denkt. Daher funktioniert es auch nur, wenn es (meistens) Spaß macht. Denny konnte im Angestelltenjob Geld sparen , weshalb er finanziell trotz des Schicksalsschlages weich fiel. Ich bin gespannt, wie es bei dir weitergeht und freue mich auf ein Update in zwei Jahren!

Wie ist es bei dir? Wärst du finanziell vorbereitet, wenn dich eine Kündigung ereilen würde? Würdest du an Denny’s Stelle ebenfalls mit der Selbstständigkeit weitermachen oder dir einen Angestelltenjob suchen? Wir freuen uns auf deine Meinung in den Kommentaren!

Finanz-ebook: 50 Seiten gratis

Schließe dich 20.000+ finanziellen Selbstentscheidern an. Erhalte neben dem Auszug aus dem Finanz-eBook regelmäßig Tipps zum Geld verdienen, Geld sparen und Geld anlegen.

6 Gedanken zu „Leserstory Denny: 2 Jahre Selbstständigkeit – Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig“

  1. Hi Florian,

    hier haben wir wohl den nächsten, der in die Altersarmut rutschen wird. In dem Alter noch solche „das wird schon noch“-Rechnungen anzustellen, halte ich für sehr gefährlich. Ich kann darüber sprechen, da ich in einer ähnlichen Situation wie Denny, mich aber gegen die Selbständigkeit entschieden habe. Wenn es bis 40 nicht klappt, ist der Zug abgefahren.

    Bei mir war es nach 6 Jahren Selbstständigkeit noch so wie bei Denny. Geht schon irgendwie, aber geil ist es nicht. Zudem sind auch keine großen Sprünge drin. An Familienaufbau und lange Reisen war nicht zu denken. Und leben nur um selbstständig zu sein? No way!

    Daher habe ich die Selbstständigkeit wieder eingetauscht und der Vermögensaufbau läuft wieder rund und eine Menge Druck ist weg.

    Meinen Rat lieber Denny: Spiel in deiner Situation nicht mit dem Feuer. Ich persönlich finde die Zahlen erschreckend, die du da aufrufst und das in deinem Alter. Die 40 kommt schneller als du denkst und dann gibt es vielleicht keine Plan B mehr. Beim Investieren scheinst du klug vorzugehen, aber hier siehst du den Wald vor lauter Bäumen nicht.

    Liebe Grüße

    Klaus

    Antworten
    • Hi Klaus,

      danke für Deinen Kommentar. Auch wenn ich vom Grundsatz her meistens pessimistisch veranlagt bin, so düster wie du es teilweise schilderst, schätze ich meine Perspektive dann doch nicht ein.

      Sicherlich, die Risiken der Selbstständigkeit sollten nicht verherrlicht werden (Ebenso wenig wie die Unzufriedenheit und Depression in einem 0815-Job). Der Gefahr sehe ich mich aktuell aber auch nicht ausgesetzt. Auch nicht mit „schon“ 31. Ich denke, in dem Alter ist noch kein Zug endgültig abgefahren 😉

      Im Zentrum steht für mich die Frage: Mit welchen Inhalten will ich meine Lebenszeit füllen? Vielleicht ist das ein Generation Y Stigma. Kann sein. Aber nur um des vermeintlich „sicheren“ Geldes wegen täglich buckeln zu gehen, ist mir meine Lebenszeit zu schade.

      Und selbst wenn es in ein paar Jahren soweit sein sollte, dass weder Zufriedenheit noch die finanzielle Perspektive passen sollte, einen Weg „zurück“ in die Corporate Welt sehe ich immer. Deswegen schaue ich auf das Potenzial und den Weg, der noch vor mir liegt. Ohne dabei blind für den Weg links und rechts des Weges zu sein.

      Was hast Du als Selbstständiger gemacht? Und warum hat es aus Deiner Sicht nicht geklappt?

      Liebe Grüße,
      Denny

      Antworten
  2. Hi Denny,

    ich sag ja, du siehst den Wald vor lauter Bäumen nicht 😉 Arbeiten gehen heißt nicht direkt „Buckeln“ oder „Depression“. Vielleicht hattest du einfach nicht den richtigen Job? Mein heutiger Job macht mir sehr viel mehr Spaß als es die Selbstständigkeit jemals gemacht hat. Ich bin ziemlich frei in meinen Entscheidungen, kann von überall arbeiten und werde noch top entlohnt. Kein Vergleich zu den Existenzängsten von damals, die auch bei dir kommen werden, wenn du sie jetzt noch nicht hast, da sei dir sicher.

    31 mag nicht tragisch klingen. Aber denk mal dabei an deine Altersvorsorge. Rein rechnerisch hast du noch ein bisschen mehr als 30 Jahre bis zur normalen Rente. Legst du privat dafür genug zurück? Deine Rechnung sieht nicht danach aus. Ab 2022 soll es für Selbstständige zudem nochmal eine Rentenversicherungspflicht geben, die du dann nochmal auf deine Kosten rechnen darfst ob du willst oder nicht. Der Betrag ist nicht ohne, der da geplant wird.

    Wie sieht deine sonstige Planung aus? Willst du keine Kinder haben bzw. deine Frau oder Freundin wenn du eine hast? Auch die kosten eine Menge Geld. Aber ohne wird es ziemlich einsam werden im Leben. Grillen und Bierchen trinken wird dich nicht langfristig erfüllen.

    Aber ich bin nur ein alter Mann, was weiß ich schon 😉

    Zu meiner Selbstständigkeit: ich war in einem Feld tätig, wo die Konkurrenz anfangs sehr gering erschien und ich gut platziert war. Ich hatte quasi nur 2 Wettbewerber anfangs und ich dachte ich sei besser als sie. 4 Jahre später jedoch sind aus den 2 Wettbewerbern 6 Wettbewerber geworden und obwohl ich besser wurde in dem was ich tue, ging es nicht wirklich vorwärts. Auch die 2 Wettbewerber von anfangs waren mir gefühlt immer irgendwie voraus, was nur gestresst hat, obwohl ich super Aussichten anfangs hatte. Das deckt sich etwas mit deiner jetzigen Denkweise. Denn du versuchst in deiner Selbständigkeit in die Zukunft zu planen, was aber unmöglich ist.

    „Voraussagen sind schwer, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen.“ 😉

    Ich hoffe für dich, dass du den richtigen Weg gewählt hast und den vermeintlichen Wunsch nach Freiheit nicht irgendwann bereust.

    Ich lese auf Florians Blog immer gerne mit und nehme Ideen für mich selbst mit. Deine Geschichte erinnert mich an meine eigene, daher schreibe ich dir das. Ich würde es rückblickend wieder so machen, selbst wenn meine Selbstständigkeit funktioniert hätte, wäre ich vermutlich nicht glücklich damit geworden, da es nie einen Status gab, mit dem ich wirklich langfristig planen konnte.

    Liebe Grüße

    Klaus

    Antworten
  3. Danke für Deinen authentischen Bericht Denny und super, dass Du den Mut für den Sprung in die Selbständigkeit hattest.

    Bezüglich des Kommentars von Klaus sind 31 Jahre keine 40 und 2 Jahre Selbständigkeit keine 6 Jahre.

    Von daher würde ich die Flinte noch nicht ins Korn werfen, sondern schauen, wie Du Deine Einnahmen deutlich erhöhen kannst.

    Rein finanziell macht eine Selbständigkeit ja nur Sinn, wenn irgendwann mal deutlich mehr rein kommt, als bei einem Angestelltenjob. Der ist zwar oft (aber nicht immer) fremdbestimmter aber dafür flauschig und frühstückt wie nebenbei die Themen GKV und GRV mit ab.

    Und damit auch schon zum Kern meines Kommentars:

    Gibt es die Möglichkeit Deine Selbständigkeit mit einem angestellten Teilzeitjob zu verbinden?
    Du hast in den letzten zwei Jahren jede Menge neue Dinge gelernt, die für einen Arbeitgeber wertvoll sind. Du hast Drive, traust Dir neue Dinge zu und außerdem hast Du schon Erfahrung im Angestelltenbereich.

    Wenn Du einem Arbeitgeber z.B. für 20 Stunden pro Woche Deine Arbeitskraft zur Verfügung stellst, hast Du in Deinem jugendlichen und vor Tatkraft nur so strotzenden Alter doch mindestens noch weitere 30 Stunden pro Woche Zeit um Deine Selbständigkeit weiter zu treiben.

    Dadurch erledigt sich auch das Thema Krankenkassenbeiträge, solange die Einnahmen des Angestelltencashflows höher sind (und wenn sie das einmal nicht mehr sind, hast Du eh keine finanziellen Sorgen mehr).

    Denk mal drüber nach und wenn Du Dein Mindset weiter entwickelst, ist dieses Vorgehen auch keine Niederlage sondern eine schlaue und selbstgewählter (temporärer) Zustand.

    Wenn Du mit 20 Stunden Angestelltenjob Deine gesamten Ausgaben inkl. Krankenversicherung abdeckst, kannst Du Dich in Deiner Selbständigkeit wieder auf das konzentrieren, was sie so reizvoll macht und der finanzielle Druck ist weg.

    Schönen Tag
    Maschinist

    Antworten
  4. Hallo Herr Maschinist und hallo nochmal an Klaus!

    Ich finde, dass die wirtschaftliche Komponente durchaus eine wichtige Rolle im Leben spielt. Eine „Schein-Selbstständigkeit“ ohne Umsatz, ist am Ende nur ein unbezahltes Hobby. Da gehe ich mit. Aber ich finde es schon interessant, dass der Aspekt der Selbstverwirklichung hier komplett außen vor zu stehen scheint. Schade, schließlich steht dieser Blog von Florian doch als Sinnbild für finanzielle Freiheit UND ein frugales / erfüllendes Leben, mit der Verwirklichung von eigenen Ideen und Projekten.

    Mir ist schon klar, dass das ohne Geld nur ein Muster ohne Wert ist. Dennoch wollte ich das nochmal explizit hervorheben. Und ich sage ganz ehrlich: Wenn ich mit diesem Grad an Selbstbestimmtheit den Rest meines Lebens verbringen kann, dann ist mir auch egal wenn ich „nur“ mit 2.000 Euro anstatt 3.000 Euro netto nach Hause gehe. Die Ambitionen sind natürlich andere. Aber ich will mein Leben nicht ausschließlich durch das Geld und den Maximalverdienst diktieren lassen.

    Zu der Anmerkung mit dem Teilzeitjob, um dadurch die Kassenbeiträge zu eliminieren: Ein guter und valider Punkt. Dazu habe ich mir dieses Jahr auch schon ein paar Gedanken gemacht. Die erklärten Vorteile liegen auf der Hand und sind nachvollziehbar. Am Ende habe ich für mich aber dafür entschieden, dass ich mich lieber jetzt 100% und mit ganzem Herzen um die Entwicklung meiner Selbstständigkeit kümmere. Der Motivationstank ist noch voll und das wirtschaftliche Polster groß genug, um das in der Form (auch noch für eine sehr lange Zeit) durchziehen zu können.

    Insofern heißt es für mich weiter Vollgas geben. Und selbst wenn es in ein paar Jahren nicht geklappt haben sollte, werde ich mir als letztes dafür Vorwürfe machen es versucht zu haben.

    Vielleicht bin ich dadurch für Klaus ein Romantiker. Aber abgerechnet wird am Schluss 😉

    Liebe Grüße,
    Denny

    Antworten
  5. Ich würde mir noch diese Möglichkeit offenhalten: Vollzeitstelle, dort gerade soviel arbeiten wie nötig, und ansonsten an der eigenen Selbständigkeit arbeiten (ja, auch während der bezahlten Arbeitszeit!). Das geht jetzt mit 100% Homeoffice noch viel einfacher wie früher. Dadurch hat man 100% Lohn plus was durch die Selbständigkeit reinkommt. Denn seien wir ehrlich: die meisten Bürojobs lassen sich in der halben Zeit auch erledigen.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Das könnte dir auch gefallen