Investieren Firmen auch an der Börse? – Leserstory einer Research Analystin

Wie wir selbst unser angespartes Geld sinnvoll anlegen, haben wir gelernt. Was ich mich gefragt habe: Wie legen große Firmen ihr überschüssiges Geld an, das sie nicht unbedingt in der Firma reinvestieren? Wohingegen meine liquiden Mittel als Sparplan an der Börse investiert werden können, haben mittelständische Firmen mehrere Millionen Euro an Kapital, das „herumliegt“. Wie investieren sie? Zum Glück habe ich eine sehr sympatische Leserin Nicole kennengelernt, die genau dies macht: Als Research Analystin legt sie in der internen Vermögensverwaltung eines mittelständischen Betriebs das Geld sinnvoll an. Wie sieht so ein Arbeitalltag aus? Wie kommt sie als Frau im männerdominierten Berufsumfeld zurecht? Wie kommt man zu so einem Job? Auch sie hatte zuvor einen Job gekündigt, um nun viel zufriedener in der neuen Stelle zu sein. Viel Spaß mit der Lesergeschichte von Nicole!


Frankfurt am Main, 9:35 Uhr: Obwohl es schon Oktober ist, scheint die Sonne bereits in den Morgenstunden kräftig vom Himmel. Ich bleibe mit meinem Blick kurz an den Roll-Ups hängen, die vor dem Eingang des imposanten Gebäudes die heutige Aktienkonferenz ankündigen, richte mich nochmal auf und betrete dann das Foyer.

Wie schon bei zahlreichen Veranstaltungen zuvor bin ich einen kurzen Moment Ziel einiger interessierter Blicke. Trotz aller Bemühungen zum Thema Gleichstellung in der Branche falle ich auf als junge Frau im nach wie vor männerdominierten Kapitalmarktumfeld. 

Research Analystin Nicole
Nicole ist Research Analystin in der internen Vermögensverwaltung

Außer mir stehen nur vereinzelte Teilnehmerinnen an den Stehtischen und unterhalten sich angeregt auf Englisch über die heutige Kursentwicklung an der Börse. 

Eine der Hostessen hinter dem Schalter fragt mich mit einem freundlichen Lächeln nach Namen und Arbeitgeber, um mir dann eine Liste mit meinen heutigen Gesprächspartnern zu übergeben. Mein Blick fliegt kurz über die Liste und ein Lächeln huscht über meine Lippen. Neben vielen IR-Managern (also den Mitarbeitern, die in den börsennotierten Unternehmen für die Betreuung der privaten oder institutionellen Anleger zuständig sind) konnte ich auch Gespräche mit dem einen oder anderen CFO (Chief Financial Officer) ergattern. 

Ein Gong kündigt den Beginn der Gespräche an und schon nach wenigen Minuten bin ich voll und ganz in meinem Element – als Research-Analystin der internen Vermögensverwaltung eines namhaften Industrieunternehmens. 

Rückblick, fünf Jahre früher … 

Schon während des dualen Studiums im Bereich Finance war es uns allen völlig klar: vor uns lag eine glänzende Karriere. Vor allem die Welt der Großkonzerne erschien aus der Sicht eines Regionalbankers faszinierend, dynamisch und modern. 

Auf der Suche nach neuen Herausforderungen verließ ich nach dem Studienabschluss mein Ausbildungsunternehmen und begann auf einer Stelle als Junior-Produktmanagerin bei einem großen Automobilkonzern. 

Ernüchterung: lange Entscheidungsprozesse und demotivierte Mitarbeiter

Der Erwartung eines innovativen Umfelds folgte allerdings bereits nach wenigen Wochen die Ernüchterung: starre, lange Entscheidungsprozesse und veraltete Hierarchiestrukturen wurden nur noch übertroffen von der Vielzahl an Mitarbeitern, die innerlich bereits gekündigt hatten. 

Motivierte, junge Mitarbeiter wurden gerne gesehen – um ihnen ungeliebte Aufgaben und Themen unterzujubeln. 

Der eigene Anspruch war dennoch unverändert hoch und der Wunsch nach Erfolg unerbittlich, so dass ich es schnell schaffte, mein Überstundenkonto zu sprengen. Mit Leidenschaft kämpfte ich gemeinsam mit einigen weiteren motivierten Kollegen und Kolleginnen darum, Projekte durchzusetzen und Entscheidungen zu beschleunigen. 

Aufgrund des steigenden Workload rückten Feierabendaktivitäten und Sport immer stärker in den Hintergrund, Wochenenden wurden nicht mehr für Ausflüge, sondern für die dringend notwendige Erholung genutzt. 

Der Frust im Job steigt …

Steigende Frustration machte sich breit, wurden doch Themen, die gestern noch höchste Priorität hatten, heute schon mit einer beiläufigen Handbewegung und ohne Begründung beiseite gewischt. Die Aussage „Wir können das ja mal für die Zukunft in die Schublade legen“ lies mir zunehmend die Haare zu Berge stehen, arbeiteten wir doch gefühlt nur noch für die Tonne. 

Als ich nach rund zwei Jahren am späten Abend nach einem unbefriedigenden Arbeitstag weinend im Parkhaus des Büros saß und aus Erschöpfung ein lang herbeigesehntes Treffen mit früheren Studienfreunden absagte, erkannte ich, dass ich am Scheideweg stand: entweder ich akzeptierte die herrschende Mentalität und fing damit an, Themen ohne Leidenschaft strikt nach Vorgabe zu erledigen, oder ich musste grundlegend etwas an meiner Situation ändern. 

Für mich wurde es zum Glücksfall, dass genau in dieser unsicheren Zeit ein Wochenende intensiver Selbstreflexion zusammenfiel mit dem Anruf eines früheren Kollegen, der mich auf ein Jobangebot im Asset Management, also in der Verwaltung von Finanz- und Kapitalanlagen, eines Industrieunternehmens aufmerksam machte. 

Der Nachteil: die vertragliche Wochenarbeitszeit von 35 Stunden bedeutete ein geringeres Gehalt im Vergleich zu meinem bisherigen Job. Wertpapiere und Kapitalmärkte hatten mich allerdings schon immer interessiert und die letzten Jahre hatten mir verdeutlicht, dass Freizeit mehr wert ist als Geld. 

Die Entscheidung steht: Jobwechsel trotz weniger Gehalt – Aber Aussicht auf mehr Zufriedenheit

Ein vielversprechendes Gespräch mit meinem zukünftigen Chef später stand meine Entscheidung fest: meine Zukunft lag in der Vermögensverwaltung. Meine früheren Kollegen reagierten schockiert: wie könne ich denn bei einem so großen und bekannten Unternehmen freiwillig kündigen und dann auch noch für eine geringere Bezahlung? 

Ich lies mich nicht beirren und ging meinen Weg. Mich erwartete ein Büro voller Bildschirme, tickende Aktienkurse, diverse Informationsdienste, Finanznachrichten – und die Rückkehr zu mir selbst. 

Nach mittlerweile rund zwei Jahren auf meiner neuen Stelle kann ich mit voller Überzeugung sagen: ich habe meine Entscheidung seither noch keinen Tag bereut. 

Das Arbeitsumfeld eines internen Vermögensverwalters, der freie finanzielle Mittel aus der Geschäftstätigkeit einer Gesellschaft investiert, kombiniert für mich auf optimale Weise die Angliederung an ein internationales Unternehmen mit den Vorzügen von Entscheidungsautonomie und dynamischer Arbeitsweise eines kleineren Unternehmens. 

Wie sieht mein Alltag als Research Analystin in einer internen Vermögensverwaltung aus?

Eine mit den Entscheidungsträgern vereinbarte Anlagerichtlinie definiert den Rahmen, in dem wir uns hinsichtlich Anlageklasse, sprich z.B. Aktien, Geldmarktanlagen, Rentenpapiere oder alternative Anlagen, und Volumina flexibel bewegen dürfen. 

Neben der detaillierten finanziellen und fundamentalen Analyse unserer Portfoliounternehmen bietet mir meine Stelle die Möglichkeit, bei internen, strategischen Anlageentscheidungen und Projekten mitzuwirken sowie hochrangige Manager börsennotierter Gesellschaften bei Investorengesprächen persönlich kennenzulernen. 

Wer würde nicht gerne mal einem Finanzvorstand Fragen zum Geschäftsmodell seines Unternehmens stellen und seine fundierte Meinung zur aktuellen Geschäftsentwicklung erfahren? 

All das aufgrund unserer sehr guten Anbindung an Informationssysteme wie Bloomberg immer am Puls der Zeit. 

Flexible Arbeitszeitregelungen, eine kurze Wochenarbeitszeit und Homeworking-Angebote helfen zudem dabei, mein Privatleben optimal mit meinem Job zu kombinieren, ohne unter der Arbeitsbelastung zu leiden. 

Mein Fazit: Ich möchte nicht nur Leben um zu Arbeiten

Die letzten Jahre haben mir mehr als deutlich gezeigt: ich möchte nicht nur Leben um zu Arbeiten. Insbesondere nicht ohne Spaß an dem, was ich tue.  Die beste Leistung kann man nur dann bringen, wenn man mit Freude und Leidenschaft hinter dem steht, was man tut. Ich weiß nicht, ob ich schon dort angekommen bin, wo ich bis zu meinem Renteneintritt arbeiten möchte – was ich hingegen weiß, ist, dass ich auf dem besten Weg bin, solange meine Situation reflektiere und bereit bin, Entscheidungen für mich zu treffen. 


Danke an Nicole für ihre Offenheit, über ihre mutigen Entscheidungen zu berichten und uns einen kleinen Einblick in den Alltag einer internen Vermögensverwaltung zu geben. Wie zufrieden bist du in deinem Job? Was ist gut, was würdest du dir anders wünschen? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!

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